Mietergemeinschaft 3-2-10 hält zusammen: Wir lassen uns sich nicht ersteigern

Wer kennt ihn nicht den Werbe Slogan »Drei, zwei, eins – meins«? Gegen den Gedankenkosmos von zwischen den Koordinaten Schnäppchenjagd, Marktbeschleunigung und Höchstpreis richten sich die Mieter*innen aus dem Häuserblock mit den Adressen Eisenbahstr 2 + 3 und Muskauer Str. 10 mit ihrem Slogan: »3–2–10 WIR!«. Wohnen ist eben keine Ware, die meistbietend verscherbelt werden kann.

Dieses »Wir« sind die Menschen, die einer Versteigerung ihres Hauses am 14.12.2017 entgegensehen. Auch im Milieuschutzgebiet ist dieses Verfahren eines Immobilienverkaufs rechtens.

26.11.2017 Berlin – Die Haus- und Mietergemeinschaft des Eckhauses Eisenbahnstraße Ecke Muskauerstraße versammelten sich für eine Protestaktion vor ihrem Haus

Zur Abwehr der Spekulanten wurden nun Banner aufgehängt. Die Botschaft: Wer hier kauft, wird es mit einer starken Gemeinschaft zu tun haben – Menschen, die sich nicht so leicht verdrängen lassen.

Vor dem zusammenhängenden Eckhaus standen die Mieter*innen und Gewerbetreibende auf der Straße, unterstützt von Nachbarn und Freund*innen. Auf den Bannern war zu lesen „Wir sind eine starke Mietergemeinschaft“ „Wir bleiben alle!“ „ Starke Mieter bleiben“.  „3‐2‐10 – wir halten zusammen“, skandierten die rund 60 Menschen allen Alters, darunter viele Kinder.

Mindestpreis 5,2 Mio €

Das Einstiegsgebot zur Versteigerung am 14.12. liegt bei 5,2 Mio. Euro. Die Bewohner*innen  haben die Sorge, dass die Immobilie zu einem Spekulationsobjekt wird und sie aufgrund steigender Mieten, Modernisierung oder der Umwandlung in teures Eigentum verdrängt werden. Kreuzberg in unmittelbarer Nähe zur „Markhalle Neun“ gilt inzwischen als „hot spot“ und touristische Ausgehmeile.

Typische Berliner Mischung

Einige der Mieter*innen sind in den Häusern geboren und leben bereits seit den 1970er Jahren hier. In der Mieterschaft befinden sich u.a.: Richter, Ingenieure, Handwerker und Hartz IV Empfänger, Alleinerziehende und Familien, die teils seit Generationen in dem Haus leben: Architekten, Rentner, Studierende, Einzelhändler, Künstler und Grafiker … Menschen aus unterschiedlichen Kulturen, etwa aus Griechenland, Korea, Russland, der Türkei und Italien, bereichern die Gemeinschaft.

Ein Fall fürs bezirkliche Vorkaufsrecht

Gemeinsam mit dem Bezirk Friedrichshain‐Kreuzberg wird versucht, das bezirkliche Vorkaufsrecht geltend zu machen. Dazu ist die Mietergemeinschaft auf der Suche nach „guten“ Käufern wie Stiftungen, Genossenschaften und Berliner Wohnungsbaugesellschaften. „Wir sind eine starke Mietergemeinschaft“, sagen Lara und Moritz, die Eltern von drei Kindern, beim anschließenden Pressegespräch „wir stehen für das, was Berlin ausmacht: familiär, vielfältig und kreativ.“

Unterstützung aus dem Kiez

Trotz des ziemlich schlechten Wetters wurden die Mietergemeinschaft 3‐2‐10 auch von Menschen aus den Nachbarhäusern unterstützt. Fast alle Mieter der umliegenden Häuser im Kiez sind inzwischen von dem (R‐)Ausverkauf betroffen – oft in Unternehmen oder Investorengruppen, die ihre Gewinne geschickt in Null-Steuer-Länder abschieben. So manche der Namen von Immobilienverwertern in der Umgebung finden sich in den sogenannten Paradise und Panama Papers.

Prüfung läuft schon

Die Mieter*innengemeinschaft ist in engem Kontakt zu Bizim Kiez und auch Kontakte zu den zuständigen Stellen im Bezirksamt sind geknüpft. Laut deren Aussage läuft bereits ein Prüf- und Wertermittlungsverfahren, so dass es im Moment so aussieht, als wäre ein bezirklicher Ankauf für Dritte möglich. Hier zeigt sich, dass sich Mieter*innen nicht einfach dem Marktgeschehen ergeben dürfen und wie wichtig es ist, die Selbstorganisation frühzeitig zu beginnen. Durch konsequente Eigeninitiative wird der Möglichkeitsraum immens vergrößert. Wünschenswert wäre es, wenn der Bezirk sein Vorkaufsrecht zu Gunsten einer gemeinwohlorientierten Genossenschaft oder Stiftung ausüben würde.


Medienecho


Aufruf zur Kundgebung – Begleitung der Versteigerung

KUNDGEBUNG GEGEN VERDRÄNGUNG DURCH MIETSPEKULATION

Am 14.12.2017 um 11.00 Uhr soll im Abba Berlin Hotel, Lietzenburger Straße 89, unser Haus in Kreuzberg meistbietend versteigert werden.

Wir wollen nicht versteigert werden!

Wir sind gegen einen Kauf mit spekulativem Interesse! Wir sehen das Bezirksamt in der Pflicht, sein Vorkaufsrecht als ein Mittel gegen Verdrängung im Milieuschutzgebiet auszuüben!

Wir als Mieter*innen zeigen am Tag der Auktion vor Ort Gesicht. 

Mit unserem Schicksal wird nicht spekuliert! Wir lassen uns nicht aufgrund extrem steigender Mieten oder der Umwandlung in Eigentum aus unseren Wohnungen und Gewerberäumen in Kreuzberg verdrängen.

Die Versteigerung des Hauses und ihr Ausgang haben eine große, richtungsweisende Bedeutung für den gesamten Kiez sowie die Menschen und die Bevölkerungsstruktur der Stadt. Die Versteigerung stellt einen Angriff auf den Milieuschutz dar.

Die rot-rot-grüne Regierung soll sich dezidiert und öffentlich für eine vielfältige Bewohner*innenstruktur einsetzen, in der auch einkommensschwache Menschen in ihren Wohnungen und ihren Kiezen bleiben können. Nun müssen die Politiker zeigen, dass sie zu ihren Versprechen stehen und den Mieter*innenschutz ernst nehmen. Wenn die Politik Mieterschutz tatsächlich ernst nimmt, dann muss sie es hier beweisen!

UNTERSTÜTZT UNS!
KOMMT AM 14.12. UM 10.00 UHR ZUR LIETZENBURGER STRASSE 89!

 

Aufruf zur Kundgebung herunterladen

 

3 Gedanken zu „Mietergemeinschaft 3-2-10 hält zusammen: Wir lassen uns sich nicht ersteigern

  1. Pingback: Mietergemeinschaft 3-2-10 hält zusammen: Wir lassen uns sich nicht ersteigern - Bizim Kiez – Unser Kiez | Leipzig – Stadt für alle

  2. Pingback: Der tägliche Kampf gegen die Verdrängung – Canan Bayram

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