Der SPD-Vonovia-Deal: Wer rechnet da eigentlich so schlecht bei SenFin?

Es ist als geschicktes Wahlkampfmanöver der Berliner SPD geplant gewesen, aber leider hat dabei anscheinend niemand ordentlich nachgerechnet. Denn der Vonovia-Boss Buch scheint die Berliner SPD an der Nase herumzuführen. Es ist nicht nachvollziehbar, warum im Paket, das dem Land angeboten wird, die einzelne Wohnung rund 25 Prozent mehr kosten soll als die einzelne Wohnung im Paket, das die Vonovia bei der Übernahme der Deutsche Wohnen kauft. Mehr als 2,3 Milliarden Euro darf das Land nicht bezahlen, wenn es den Konzern-Bossen nicht auf den Leim gehen will!

Wir sind zwar keine gelehrten Mathematiker*innen, wie sie in der Senatsverwaltung für Finanzen Berlin vermutlich anzutreffen sind, aber uns ist da was aufgefallen: Eine Wohnung im Paket, das das Land Berlin übernehmen soll, ist viel teurer, als eine Wohnung im Paket, das von der Vonovia übernommen wird.

Es wird kolportiert, das Land Berlin habe für das „Angebot“ parallel zur Übernahme der Deutschen Wohnen durch die Vonovia 20.000 Wohnungen aus deren Beständen abzukaufen, 3,2 Mrd. € zu bezahlen. Die SPD-Oberen Michael Müller und Matthias Kollatz halten das für ein gutes Geschäft.

Wenn wir aber wissen, dass sich das Angebot der Vonovia an die Aktionär*innen der Deutschen Wohnen insgesamt auf 18 Mrd. € summiert und dafür ein Gesamtbestand von 157.000 Wohnungen übernommen wird (und 2900 Gewerbeimmobilien, die wir mal untern den Tisch fallen lassen, das Geschäft aber noch seltsamer erscheinen lassen), dann fangen wir doch mal zu rechnen an.

Die Vonovia will also von den 18 Mrd, die sie aufbringen muss, um den Bestand der DW zu kaufen, gleich 3,2 Mrd wieder reinkriegen, in dem sie sofort 20.000 Wohnungen ans Land verkauft. D.h. sie bezahlen nur 14,8 Mrd für ein Paket, das um 20.000 Wohnungen verkleinert wird, also nur noch 137.000 Wohnungen umfasst. In diesem Restpaket hat dann eine Wohnung den Preis von ca. 108.000 Euro. Hingegen kostet eine Wohnung im Paket, das dem Land angeboten wird 160.000 € (= 3,2 Mrd / 20.000 Whg).

Angenommen die 18 Mrd für das Gesamtpaket sind über den Marktpreis der Wohnungen berechnet, dann dürfte auch das Land nicht mehr dafür bezahlen müssen. Dann kämen wir auf einen Paketpreis von ca. 2,3 Mrd für die 20.000 Wohnungen (pro Wohnung wären wir dann bei ca. 114.650 €, genau wie im Vonovia-Paket).

So wie der Deal jetzt aussieht, kostet die Aktionär*innen der Vonovia eine Wohnung der Deutschen Wohnen nur 67% dessen, was das Land Berlin für eine Wohnung bezahlen muss.
Vielleicht irren wir uns ja auch, aber wir denken, da sollte das Lächeln der SPD-Herren nochmal mit dem Taschenrechner überprüft werden.


Die Zahlen, mit denen hier gerechnet wird, sind alle aus öffentlichen Quellen entnommen. Zum Thema und mit ähnlicher Haltung sind sehr viele Artikel in den Medien erschienen:

Ein Kommentar zu “Der SPD-Vonovia-Deal: Wer rechnet da eigentlich so schlecht bei SenFin?

  1. Jo

    es ist doch völlig normal, dass der Staat immer mehr bezahlt als ein privater Anbieter. Oft ist das allein schon durch Berater, Vermittler, Makler … bedingt. Auch die Tatsache, dass es üblich ist Freundschaften auf Staatskosten zu basieren (ich zahle jetzt mehr und werde später als Berater eingestellt…) darf nicht vernachlässigt werden. Also keine Sorge, es sind vollkommen normale Vorgänge.

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