Reichenberger 86: Ferienapartmenthaus mit Gastro verdrängt Café Filou

– 6. März 2017 –

Aufgrund von Nachbarschaftsversammlungen und Protesten für den Erhalt des Café Filou entwickeln sich im Laufe von zwei Monaten zahlreiche Diskussionen und Aktivitäten. Es wird eine neue Nachbarschaftsinitiative für den Kiez *Reichenberger Strasse / Glogauer Strasse* Namens #GloReiche gegründet.

– 18. Dez 2016 –

Das Café Filou befindet sich in der Reichenberger Straße 86, neben der Kreuzung Reichenberger/Glogauer, direkt hinter der Station des M29 in Richtung Hermannplatz. Es existiert seit 20 Jahren und seit 15 Jahren betreiben es Daniel und Nadja, Eltern von drei Kindern, zusammen mit drei weiteren Angestellten.

Das Gebäude, in dem das Café Filou ist, ist Eigentum der beiden aus London kommenden Charles Skinner und David Evans. Sie bieten Ferienwohnungen an. Die billigste kostet im Off-Season-Zeitraum 100 Euro die Nacht. Mr. Skinner und Mr. Evans gehört auch der am Café Filou angrenzende Neubau mit angeblich „Deutschlands größter begrünter Fassade“ in der Glogauer Straße 9, in dem ebenfalls Ferienwohnungen geplant sind. Sie sind außerdem Betreiber des Bar-Restaurants ‚Vertikal‘ im Erdgeschoss. Das Vertikal und das Café Filou haben dieselbe Hausnummer.

Dem Café Filou wurde am 9.12.16 zum 31. Juli 2017 überraschend gekündigt. Es passe nicht mehr ins „Konzept des Kiezes“, meinen die Hauseigentümer (und lassen dabei offen, wer da eigentlich welches Konzept umsetzten möchte). Außerdem sähen die Räumlichkeiten nicht mehr gut aus. Tatsächlich soll das Café schon lange renoviert werden. Als Nadja und Daniel im Jahr 2012 vom Neubauprojekt erfahren hatten, fragten sie immer wieder bei ihrer Hausverwaltung Nikolay Immobilien an, wann die Arbeiten beginnen würden, weil sie ihr Café nicht renovieren wollten, um es dann Schmutz und Beeinträchtigungen durch die Baustelle nebenan auszusetzen. Die Hausverwaltung selbst riet von einer Renovierung des Cafes in diesem Zeitraum ab. Nachdem das ‚Filou‘ nun beinahe zwei Jahre lang hinter Bauzäunen und Planen verschwunden war, sollen sie jetzt raus. Die Eigentümer rechnen damit, bei einer Neuvermietung die vierfache Miete zu erzielen, die sich derzeit auf 1085,- € für 76 Quadratmeter beläuft.

Daniel und Nadja sind nicht untätig geblieben, als sie von der Kündigung erfahren haben: Sie haben Aushänge aufgehängt, in denen sie ihre Kundschaft über ihre Situation aufklären, und den Kiez um Solidarität bitten. Außerdem liegt bei ihnen eine Unterschriftenliste aus, mit der sie die Besitzer auffordern, die Kündigung zurückzunehmen und mit ihnen eine langfristige Perspektive für ihre Weiterexistenz im Kiez zu entwickeln. Tatsächlich sind die Eigentümer auch zusammen mit Frau Nikolay höchstpersönlich ins Café gekommen, welche stellvertretend für die zwei Engländer mit Daniel gesprochen und ihn aufgefordert haben soll, „bei der Wahrheit“ zu bleiben. Dabei ist die Kündigung Fakt, und ihre Öffentlich-Machung nichts Unerlaubtes. Im Gespräch soll seitens Frau Nikolay auch deutlich gemacht worden sein, dass man nicht wolle, dass die Lage weiter eskaliert. Für die finanzielle Sicherheit von Nadja und Daniel und ihrer Kinder ist mit der Kündigung jedoch bereits jetzt die höchste Eskalationsstufe erreicht!

Gleich nachdem das Café Filou seine Kündigung öffentlich gemacht hat, ist ihm eine große Welle der Solidarität entgegengeschlagen. Viele Kund*innen empören sich laut und unterschreiben auf der Liste. Kein Wunder: Das Café Filou ist die zentrale Bäckerei in dieser Ecke des Reiche-Kiezes, wo Laufkundschaft und Nachbar*innen ihre Brötchen und ihren Kaffee kaufen und wo auch eine warme Mittagsmahlzeit zu haben ist. Die Betreiber*innen erreichten Mails, in denen ihnen die Kontakte zu uns und anderen Kiez-Initiativen wie ‚Unser Block Bleibt‘  und ‚Lause Bleibt‘ sowie zu Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne) vermittelt wurden. Letzteren haben sie auch umgehend angeschrieben, der aber hat in seiner Antwort zuständigkeitshalber an Andy Hehmke, Stadtrat für Wirtschaft, Schule, Sport und Ordnungsamt (SPD) weiterverwiesen. Pressekontakte laufen an und mehrere Journalist+innen haben an der Geschichte des Cafés bereits Interesse gezeigt.

Natürlich zeigen wir uns solidarisch mit den Betreiber*innen des Kiezcafés, und organisieren mit ihnen zusammen ein offenes Treffen für alle interessierten Nachbar*innen am Freitag, den 27.1. um 19 Uhr im Café Filou, Reichenberger Str. 86.

Termin zum offenen Treffen für Nachbar*innen ansehen

 



41 Gedanken zu „Reichenberger 86: Ferienapartmenthaus mit Gastro verdrängt Café Filou

  1. Arno

    Ok – keine Frage – aber wie sollte die Darstellung eurer Situation am besten formulert sein? (denn so ungefähr kam das hier ja rein per email) – Bitte sendet einfach einen passenden Text (oder die inhaltlichen Korrekturen), dann kann das auch richtig dargestellt werden. Diese Rubrik mit den Fällen im Kiez ist dafür gedacht einen gewissen Austausch zwischen den Leuten in den Häusern, die sich soweit erst einmal nicht kennen, zu ermöglichen bzw. zu erleichtern – und damit gemeinsame Strukturen zu erkennen.
    Dafür muss alles natürlich aber auch einigermassen authentisch sein, und das geht nur durch die offene Zusammenarbeit. Vielen Dank

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  2. NN

    Was soll der Mist, wenn ein Gewerbtreibender einen Mietvertrag abschließt, dann bitte über viele, viele Jahre, sonst kann ganz normal gekündigt werden.

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  3. Gollum

    Na das ist je ein prima Einstand in Kreuzberg!! Unfassbar, ich hoffe das bleibt nicht ohne Folgen.
    Wer hat eigentlich schon wieder ein Hotell genehmigt? Ich dachte damit wäre mal gut?
    Was ist eigentlich mit den anderen Bewohnern des Hauses? Hat mit denen schon mal jemand gesprochen – können die bleiben?

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    1. Bizim Kiez

      Über dem Filou gibt es tatsächlich noch Wohnmieter. Unseren Infos zufolge eine Familie. Diese haben auch permanent Stress mit der Hausverwaltung, da hat es vor Jahren auch mal einen Prozess gegeben. Allerdings genießen sie das unweit sicherere Wohnmietrecht (das aber in der Rechtsprechung der Gerichte oft systematisch abgeschwächt oder von den Eigentümern mit Tricks umgangen wird). Wir haben noch keinen Kontakt zu ihnen.

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      1. Gollum

        auf der Glogauer Seite gibt es auch noch einen Eingang, da wohnen evtl. auch noch mal Leute. Die Wahrscheinlichkeit, das sie rausgeekelt werden sollen ist zumindest hoch

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        1. Bizim Kiez

          „Unseren Infos zufolge“, d.h. diese sind sicher unvollständig. Und dass die Gerichte die Gesetze regelmäßig zulasten der Mieter*innen auslegen, und die Eigentümer*innen mit allen möglichen Tricks, diese zu umgehen versuchen, ist keine Unwahrheit – leider.

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  4. Berliner

    Was soll bitte die Diskussion, der laden sieht nicht mehr gut aus , nichts investiert. Pacht ausgelaufen … was soll der Eigentümer machen ? Auf 30 000 im Jahr verzichten ? Ist schade, aber nichts wird billiger.

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    1. Gollum

      Ach ja? Also alle, die wenig Kohle haben können sich jetzt aus Kreuzberg verpissen? Wolltest Du das sagen?

      Ist ist wirklich höchste Eisenbahn, daß die Kreuzberger zeigen, daß sie sich das nicht mehr gefallen lassen.

      In Kreuzberg sollen aktuell rausfliegen: Cafe Filou, Buchladen Kisch&Co und Bantelmann. Es reicht! Kiezversammlung im SO36! 9.2. 18.30 Uhr

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  5. Ureinwohner

    Naja, die Betreiber des Filou haben in den vergangenen Jahren selbst massiv an der Preistreiberei hier im Kiez mitgewirkt und haben von der Gentrifizierung sehr profitiert. Neue solvente Kunden störten sich nicht an den Mondpreisen welche hier verlangt werden – für nix besonderes. Wahrscheinlich einer der teuersten Backshops in Berlin. Beispielsweise 1 Euro für ein Laugenbrötchen – sowas bekommt man im KaDeWe oder auf der Friedrichstrasse günstiger… Auch sonst langen sie gerne zu. Preis/Leistung stimmt hier schon lange nicht mehr. Wie bei so vielen Läden im Kiez, mittlerweile für „normalverdienende Langzeiteinwohner“ nicht mehr tragbar. Nun frisst die Gentrifizierungswelle sich selbst – wer da mitmacht, kann sich nicht beschweren.

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    1. gerda

      auch meine Meinung. bin kein groser fan von le filou. sehr teuer qualitaet mittel.
      allerdings sollte man das trennen von der tatsache dass hier schon wieder was kommt was aus dem geist des kiezes profit schlagen will. nein! so nicht. kein kolonialismus.

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    2. Carola Rönneburg

      Dein Urteil, „Ureinwohner“, ist unfair.
      In einem einzigen Punkt stimme ich Dir zu: „nix besonderes“.
      Das „Café Filou“ ist eine durchschnittliche Bäckerei, so weit einverstanden.

      Aber wenn die Bäckerei weg ist, haben wir hier keine mehr. Übrigens auch keine mehr, in der man gute (zugekaufte) Brote bekommen kann, für die Du sonst an den Hermannplatz fahren oder laufen musst.

      Dass die Betreiber „selbst massiv an der Preistreiberei“ mitgewirkt haben sollen – dafür hätte ich dann gern mal Belege.

      Dass sie „von der Gentrifizierung sehr profitiert haben sollen“: Vor gut 25 Jahren gab es hier überhaupt keine Bäckerei! Dann kam der schwäbische „Filou“, irgendwann um diese Zeit zog der heutige Mini-Markt aus der Glogauer Straße in die Reichenberger und bot erstmals mehr als Dosenfutter an.

      In dieser Gegend gab es jahrelang überhaupt nichts, außer dem vollgestopften Edeka weiter oben auf der Reichenberger. Wer vor 15 Jahren das „Filou“ übernahm, ging meiner Ansicht nach ein erhebliches Risiko ein, und wenn die Betreiber es seit dieser Zeit nicht mehr aufgeben möchten, sondern sogar behalten möchten, weil sie inzwischen Land sehen, dann liegt das sicherlich auch gestiegener Kaufkraft im Umfeld.
      Im Gegensatz zu Dir gönne ich es ihnen aber, auch wenn ich mir bessere Laugenbrötchen vorstellen kann.

      Was glaubst Du denn, was nach dem „Filou“ kommt – ein bodenständiger, gelernter Bäcker, der das handgemachte Laugenbrötchen für 50 Cent anbietet?

      Wenn, wie kolportiert, die Vermieter das Vierfache der Miete hereinholen möchten, gibt es hier definitiv keinen Bäcker mehr. Auch keinen Fleischer, den wir früher mal in der Gegend hatten. Gute 4.000 Euro Miete erwirtschaftest Du nicht mit Brötchen, nicht mit Gemüse, nicht einmal mit Fleisch; noch dazu auf 78 Quadratmetern.

      Es gibt dann also keinen bezahlbaren Milchkaffee mehr, keine Zeitungen. Wer immer sich da reinsetzt, muss eine Menge reinholen.

      Derweil geht nebenan das „V“ als Bistrot-Restaurant an den Start, noch zu unübersichtlichen Öffnungszeiten. Es preist sich als „nachhaltig“, was sich womöglich bewahrheiten könnte – immerhin nimmt es schon mal Stullen ins Angebot, damit der Verlust der Bäckerei nicht ins Gewicht fällt. Vielleicht guckst Du mal da auf die Preise?

      Das „V“ wird sicher gute Bedingungen haben, ist es doch ein Projekt der Hausbesitzer, die ihre Ferienwohnungen im selben Haus mit „breakfast downstairs“ bewerben können.

      Langer Rede kurzer Schluss: Die kicken meine mäßige Bäckerei, damit dort irgendwer guckt, ob er/sie die neue Miete erwirtschaftet. Außer dem neuesten, heißesten Ceviche-Laden wird dort jeder scheitern. Wir (auch Du, „Ureinwohner“ ) verlieren unsere winzige Infrastruktur.

      Und guck mal nach, was die Produkte wirklich im KaDeWe und auf der Friedrichstraße kosten. Mit einem Euro bist Du nicht dabei.

      Ich wohne schon sehr, sehr lange und sehr gern hier. Ich habe mich daran gewöhnt. abgehängt zu sein und nehme für jedwede Einkäufe weite Wege hin.
      Aber wie soll man hier leben, wenn das kleine und normale Leben – also der Kaffee an der Bushaltestelle, wenn ich auf meinen Mann warte – weg ist?
      Darum geht es mir.

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      1. Ureinwohner

        Carla Zitat: Im Gegensatz zu Dir gönne ich es ihnen aber…

        Dazu: es geht nicht darum, dass ich den Betreibern den Verdienst nicht gönne – jedoch einfach nur ständig die Preise noch oben zu korrigieren, ohne irgendwelche Verbesserungen – sondern nur weil es die Käufer nun hergeben, ist in meinen Augen nicht richtig.

        Weder die Qualität hat sich in den vergangenen Jahren geändert, noch wurde irgendetwas in das Ambiente des Ladens investiert, die Miete scheint auch nicht wirklich gestiegen zu sein – aber für alles ständig mehr Geld nehmen.

        Das machen „die Bösen“ ja auch nicht anders, Wohnungen – ohne irgendeine Investition, zum doppelten Preis vermieten, nur weil es halt möglich ist. Nur weil das jetzt hier alles so mega cool ist, zahlt man hier für alles nen Aufschlag. Das meine ich mit Preistreiberei.

        Nö ich halte auch nix von diesen ganzen neuen Kaffeeläden die hier wöchentlich eröffnen, bissel Sperrmüll Möbel reinstellen – das coole Xberg Ambiente und dann für ne Tasse Kaffee knapp 4 Euro nehmen.

        Ich bin wohl ein Nostalgiker, ich bin auch total dafür „Institutionen“ zu erhalten und die paar nicht in den letzten paar Jahren hergezogenen Mieter zu schützen. Für mich gehört das Filou halt nicht dazu. Zu oft hab ich mich darüber geärgert und da bin ich nicht allein.

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  6. Tju

    Kreuzberg ist bisher das Symbol und Herz gewesen für ein tolerantes Miteinander-Leben von ziemlich unterschiedlichen Lifestyles. Das wird vermutlich auch die neuen Besitzer des/der Eckhäuser Glogauer/ReichenbergerStr hergelockt haben; neben dem Lockruf des Geldes. Daß sie nun ein Teil unserer kleinen Infrastruktur wegkündigen, auch wenn es nicht die supertollsten Brötchen sein sollen (angeblich), ist nebensächlich. Es schmeckt mir dort und es gibt keine andere Bäckerei im Görli-südKiez. Es ist schade die Schraube der der Angst insbesondere der Existenzangst anzuziehen, denn es sind nicht „nur“ die Betreiber sondern auch deren Angestellte betroffen! in dem Sinne: Dear Mr Skinner: Take back the Eviction!

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  7. Tju

    uups, es ist natürlich nicht nebensächlich, wenn ausgerechnet der Bäckerei gekündigt wird, die seit 15 bzw. 20 Jahren Bestandteilteil des Kiezes gewesen ist und hoffentlich auch bleiben wird. Zu den Brötchen: wo werden denn in Zukunft Mr Evans und Mr Skinner um 7 Uhr morgens ihre Brötchen holen..?

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  8. Ureinwohner

    Brötchen gibt es auch gegenüber, sogar günstiger im ansonsten preislich eher luxuriösen Minispar.
    Kaffee trinken, geht hier wirklich an jeder Ecke, das ist glaube ich das Einzige es man im Kiez noch kann, gefühlt 10 Coffeeshops pro Straße. Infrastruktur ist in dieser Gegend ohnehin schon kaputt, Deogerie etc. gibt es hier nirgends mehr.
    Das Filou nun zu einem zentralen Punkt hier im Kiez hochzustilisieren, ist meiner Ansicht nach falsch.
    Sie haben sich preislich schon lange von den Langzeitbewohnern abgehoben, scheinbar waren diese ihnen nicht so wichtig. Waren ja genug andere Kunden da, jetzt ist plötzlich Solidarität gefragt…

    Nö, ich mag es einfach nicht mehr, ausgenommen zu werden und dafür keinen Gegenwert zu bekommen. Da ist mir Wurscht, wer da die Preise hochsetzt.
    Ich hätte gerne auch nen echten Supermarkt ohne Spätipreise hier und ne richtige Bäckerei mit normalen Preisen, wie überall sonst in der Stadt. Aber das gibt es hier nicht, wir müssen uns an den Change gewöhnen, der Zug ist längst abgefahren.
    Es gibt Läden für welche ich mich einsetzen würde, beispielsweise der wundervolle Kramladen in der Wrangel, welchen es schon immer gibt und welcher nun auch bedroht ist.

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    1. Bizim Kiez

      Du hast teilweise schon Recht mit deiner Kritik. Allerdings ist das Filou für viele Menschen tatsächlich ein Treffpunkt. Sonst gäbe es auch dieses Interesse auch nicht seitens der Nachbarn, es zu unterstützen: die kommen da zusammen. Das hat Bizim Kiez nicht bewirkt, wir haben das selbst erfahren, und da kommt auch unsere Sicherheit her, mit der wir auch diesen Laden supporten. Kaffeetrinken geht hier wirklich an jeder Ecke – aber in was für Räumen? Einfach einen 10cent-Kaffee und dann wieder an die Bushalte….. ok, das geht, aber wo bleibt der Genuss? Wenn es nur noch so get, wo bleibt der tägliche Schnack mit den Nachbarn? Das Filou ist eine Stück Kiez. Sicher nicht aus der Ära eines Bizim Bakkal oder Bantelmann. Die sind älter und transportieren etwas aus der Zeit, bevor es hier losging mit der Hipness. Aber diesem Laden deswegen die Solidarität absprechen, weil er einfach 10 bis 20 Jahre zu spät kam, und sich an das aktuelle Preisnniveau anschmiegt? Nein, nicht mit uns. Es wäre ja auch alles nur halb so wild, wenn dem Laden eine Chance gegeben worden wäre. Aber die Begleitumstände dieser Geschichte sind zu skandalös, als dass man diese Trennlinie zwischem gutem und schlechtem Gewerbe hier beim Filou zieht.

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  9. Merlin

    Filou soll bleiben? Das wundert schon sehr. Erstmal:Filou ist keine Bäckerei! Dort wird industriell hergestellte Tiefkühlware aufgebacken,wie in tausend anderen Backshops auch. Aber zu Preisen,die mir Tränen ins Auge treiben. Kiezkultur? ja wo ist sie denn? Bizim Bakkal war da schon ne andere Hausnummer,den vermisse ich schmerzlich,immer noch. Aber diesen gesichtslosen Aufbäcker,der richtigen Bäckereien das Wasser abgräbt?also Bitte!

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    1. Bizim Kiez

      Wo gibt es denn bitteschön noch richtige Bäckereien? Und vor allem: bezahlbare Bäckereien? Ich kann die Kritik ein Stückweit nachvollziehen. Aber bitteschön auch an den wirklichen Verhältnissen anlegen, und nicht an Wunschdenken. Eine echte Bäckerei mit einem Bäckermeister, der morgens noch den eigenen Teig herstellt in jedem Kiez wünschen wir uns alle….

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      1. Ureinwohner

        Ja es gibt noch echte Bäcker, also so richtig mit Mehl und so…

        Mir fallen jetzt mal 3 hier in der Nähe ein:

        1. Bäckerei Ladewig in der Oppelner 4 – gibt es schon immer und ist ein richtig klassischer Bäcker und zudem noch sehr günstig.

        2. Schwäbische Bäckerei in der Wrangel 57, die sind neuer – aber auch echte Bäcker

        3. Beumer & Lutum in der Cuvry 22, hier halt Bioware – aber auch echte Bäcker

        Ich hoffe das erweitert denen Horizont und du kannst dadurch günstige gute Backwaren im Kiez kaufen.

        Ich finde die Art wie das Filou vertrieben wird auch absolut nicht in Ordnung und das neue ungemütliche Bahnhofshallen Restaurant daneben mit dem Nachhaltigen (aktuell tollstes Buzzword) Essen, braucht auch kein Mensch.
        Ich störe mich nur daran, dass da plötzlich etwas glorifiziert wird, was es so nie gab. Plötzlich ensteht da eine große Liebe. Wohl mehr politisch und vielleicht nostalgisch, als weil der Laden so ein wichtiger Bestandteil des Kiezes war.

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        1. Bizim Kiez

          Danke für die Tipps für die Bäckereien … Können ja schon mal die Nachbarschaft abchecken, für den Fall, dass die mal verdrängt werden 😉 … aber diese Beispiele sind ein ganzes Stück weg vom Kiez des Filou. In der O-Straße 28 gibt es ja auch die Melek Pastanesi – auch ziemlich weit weg für „mal eben Brötchen holen“ oder einmal Kaffee mit Brownie bis der Bus kommt, findest du nicht (die Brownies beim Filou solltest du übrigens mal probieren)? Und billig und teuer ist auch immer relativ zum Geldbeutel. Klar geht es billiger als das Filou. Und? Wenn nur noch die ganz, ganz billigen und „echten“ Bäckereien („so richtig mit Mehl und so….“) gegen die ganz teuren Läden „verteidigt“ werden, dann fällt da eine ganze Mitte weg, und die Lücke, die diese hinterlässt, wird ja eher nicht von den billigeren und kieznahen Läden eingenommen, sondern eben von den finanziell Stärkeren, die dann hier im Kiez Profit machen, und der dann nach und nach so verändert wird, dass die Verdrängung auch den von dir genannten irgendwann zu Leibe rückt. Das ist eine strukturelle Entwicklung, die deren Mieten auch steigen lässt, und die müssen die Kosten dann auf die Endverbraucher abwälzen – schwups ist die „echte“, nette Kiezbäckerei plötzlich nicht mehr so billig, wie früher.
          Sorry, aber mir scheint wirklich, du stößt dich hier an der scheinbar fehlenden Authentizität des Filou, es passt eben nicht in deine Sicht einer Kiez-Bäckerei (oder Kiez-Aufbackstation, whatever) aber, noch mal: guck dir bitte an, wie viele Nachbar*innen das Filou supporten (in dem auch eine warme Mittagsmahlzeit zu haben ist, also hast du recht, es ist keine normale Bäckerei 😉 ). Denkst du, das haben wir gemacht? Danke für das Kompliment, aber in Wahrheit haben wir nur den Kiez eingeladen – die Leute sind von selbst gekommen, und sie haben richtig Energie mitgebracht. Das Filou braucht nicht von uns glorifiziert zu werden – die GloReiche supportet es auch so, der Kiez hat sich bereits dafür entschieden, dass es Teil von ihm ist.

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  10. Erling

    Hallo allerseits,

    ich wohnte 15 Jahre in der Wiener und kenne die beiden schon sehr lange. Nadja sehr sehr lange. Mir blutet das Herz bei dem Gedanken, dass die beiden ihre Existenzgrundlage verlieren.

    Man sollte sich meiner Erfahrung nach keinen Illusionen hingeben, dass ein Vermieter bei einem gewerblichen Mietvertrag nicht abschöpft was abzuschöpfen geht.

    Es ist schon eigenartig, dass der Vermieter meint zu wissen, was in dieses Kiez passt und was nicht. Anstatt zur Kenntnis zu nehmen, dass viele derjenigen die dort leben, offenbar anderer Ansicht sind.

    Noch eigenartiger ist, dass er gleich neben dem Filou ein Bistrorestaurant aufmacht. Sicher wird nicht verraten ob der Laden 51€ pro m2 erwirtschaftet.

    Ich sehe bei der Beurteilung durchaus auch die legitimen wirtschaftlichen Interessen des Besitzers. Wenn man Ferienwohnungen für eine Klientel vermieten will, die nach SO36 kommen möchte mit all seiner imposanten Geschichte als ein seit dem Mauerfall gewachsenes Kiez, mit einer Ausstrahlung weit über Deutschland hinaus und das nach dem Mauerfall an Attraktivität immer nur zunahm, frag ich mich schon wie das auf die Gäste der Ferienwohnungen wirken soll:

    Herzlich Willkommen, wir haben extra für Sie dieses Traditionskiez, da wo wir konnten, abgeschafft und nach unseren Vorstellungen umgebaut. Den wir wissen wie Retortenkieze auszusehen haben. So etwa?

    Klar, deswegen fahren die Leute nach Kreuzberg und nicht nach Disneyland. Wo auch viele hinwollen, aber eben mit anderen Vorstellungen.

    Wie sehr hätte der Besitzer dagegen punkten können, wenn er die Familie Spülbeck am neuen Standort in seine geschäftlichen Aktivitäten einbezogen
    hätte:

    Seht her ich bin nicht einer von diesen Investoren, die sich ihr eigenes Kiez bauen wollen und denen ihre Bewohner schnuppe sind. Ja, das hätte für gute PR und einem Unterscheidungsmerkmal gesorgt.

    Aber gut, noch ist es nicht zu spät und die Kündigung könnte zurückgenommen werden.

    Viele Grüße und gebt nicht auf!
    Erling

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  11. Neli

    Wie kann es eigentlich sein, daß Investoren aus dem Ausland, die nicht einmal in Berlin leben, in unserem Kiez Gebäude kaufen knnen nur um daraus Profit zu schlagen?! In London hätte ein vergleichbares Grundstück doch Unmengen mehr gekostet…klar kommen die da in unsere vergleichsweise billige Stadt und machen auch vor unserem Kiez keinen Halt. Pfui! Und jetzt machen solche Leute alles kaputt. Und wieso Ferienwohnungen? Weil man natürlich hofft, damit noch mehr Kohle machen zu können als mit normalen Mietern. Selbst das Filou wird da als Konkurrenz zur deren Bar betrachtet und im Hinterkopf rechnen die sich schon die höheren Einnahmen von einem neuen Mieter durch. Ekelhaft, diese Profitgier…aber toll, daß sich in London zwei gierige Investoren jetzt ein schönes Leben auf Kosten unseres Kiezes machen!

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  12. Kati

    Aufgrund der Straßensperrung bin ich auf die Demo am Sonntag aufmerksam geworden und erhielt einen Flyer von bzw über Bizim Kiez…. im Grunde genommen echt ne tolle Sache; aber…
    ich bin im Kiez um die glogauer/ reichenberger Str aufgewachsen!
    Ich kenne das Filou und auch noch den hässlichen Auto Schrottplatz an der Ecke. Das neue Gebäude ist ein Zugewinn für den Kiez – das kann und darf keiner leugnen!!!
    Das Filou war immer als Zufluchtsort von Ratten und Kakerlaken bekannt! Wer 15 Minuten auf dem Bus wartet sieht die Ratten rein und raus spazieren.
    Herbert, der ehemalige Besitzer hatte das Filou glaube ich 2000 oder 2001 eröffnet. Seit dem hat sich nichts im Laden verändert, hiervon konnte ich mich am Sonntag selbst überzeugen. Wir schreiben das Jahr 2017 – also keine Renovierung in den letzten 17 Jahren?!? Wer hat das verhindert? Auch die Heuschrecken aus dem Ausland?
    Seit Trump, AfD etc. achte ich mehr auf Fakten und weniger auf Mundpropaganda!
    Herbert war ein Berliner und die neuen Betreiber des Filous nicht! Als es Herbert finanziell schlecht ging haben die neuen die Gunst der Stunde genutzt. (Wie sozial)
    Also, kann mich jemand mal aufklären um was es hier tatsächlich geht?
    Auch zu hinterfragen, sind der angebliche Satz der Heuschrecken:
    „Das Filou passt nicht mehr ins Konzept des Kiezes!“ Welcher Ausländer spricht so gutes Deutsch, dass er die Worte in dieser Form in den Mund nimmt??? Man muss kein Kommunikation- Experte sein, um festzustellen, dass das eine Lüge ist, ein geeigneter Aufhänger zu Zwecken des Populismus!
    Die Politiker beschließen Resolutionen gegen die Heuschrecken und genehmigt jedoch zuvor den Bau von Ferienwohnungen?! Wer soll hier verarscht werden? Doch alle stehen in der Kälte und bejubeln die Politiker für ihren Einwand.
    Das Kreuzberg was ich kannte, war Ausländern gegenüber toleranter!

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    1. Erling

      Hallo Kati,
      Sie sind in Kreuzberg aufgewachsen?
      Dann kann man bei Ihnen ja Ockhams Razor ausschließen und muss wohl Boshaftigkeit annehmen.
      An der Ecke Glogauer/Reichenberger befand sich mal ein Autohändler wie viele derartige in Berlin, kein Schrottplatz.
      Bei solchen Autohändlern habe ich auch schon ein günstiges und trotzdem zuverlässiges Fahrzeug gekauft.

      Was legitimiert Sie eigentlich anderen Menschen zu verbieten sich ihr eigenes Urteil hinsichtlich der Architektur des neuen Gebäudes zu bilden und diese zu äußern?

      Und was in aller Welt bringt Sie dazu derart üble Unterstellungen ohne den geringsten Beleg zu verbreiten? Natürlich ist der Laden von der Familie Spülbeck renoviert worden. Ihre Behauptung das wäre seit dem Besitzerwechsel nicht passiert ist eine glatte Lüge. Vielleicht fragen sie ja mal nach um Fakten zu recherchieren. Das unterscheidet sie nämlich von Vermutungen und Unterstellungen.

      Wer ist für Sie eigentlich ein Berliner? Nur wer in der Stadt geboren wurde?
      War für Sie Ernst Reuter auch kein Berliner? Oder Hildegard Knef?
      Berlin ist schon immer durch Zugewanderte geprägt worden ganz besonders in der Zeit als Frontstadt. Vielleicht möchten Sie sich ja mal an diesen Fakt Berliner Geschichte erinnern.

      Wobei wir bei der nächsten üblen Unterstellung angekommen sind, die Sie hier satzweise raushauen. Der Gründer des Filou und die jetzige Betreiberin kannten sich schon vor der Übernahme eine lange Zeit, weil Sie für ihn im Laden gearbeitet hatte. Aber das sind auch so Fakten die Ihren üblen Mutmassungen nur im Wege stehen.

      Womit wir zu Ihrem Finale kommen, gewohnt faktenfrei aber mit einem Höchstmaß an Einbildung und Vorurteil.
      Sie sind in der Tat kein Kommunikationsexperte, nur schade, dass Sie nicht mal das als Fakt bereit sind anzuerkennen und sich dennoch für einen halten.
      Nur um die Behauptung aufzustellen, „Ausländer“ dürften keinen grammatikalisch korrekten Satz in einer Fremdsprache formulieren können. Seltsames Bild das Sie da über „Ausländer“ offenbaren.

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  13. Ureinwohner

    Ich behaupte nicht, alle Menschen im Kiez zu kennen. Aber am Sonntag waren wohl nur ein Bruchteil der Demonstranten „Anwohner“ – ich gehe davon aus, dass da viele vor diesem Tag noch nie im Filou waren.
    Demo-Tourismus sozusagen. (wenn man hier wirklich wohnt und mit offenen Augen durch die Strassen geht, dann kennt man nach einiger Zeit viele Gesichter)
    Wenn man so liest, dass der Hauseigentümer eine Verlängerung angeboten hat, wenn ein echter Bäcker beschäftigt wird und nicht nur ein Aufbäcker – dann war das doch ein gutes Angebot, welches tatsächlich den Standort aufgewertet hätte.

    Von den alteingesessenen Nachbarn, die ich kenne – geht schon lange niemand mehr zu Filou.

    Es gibt viel wichtigere Orte welche verdrängt wurden oder werden – ohne Widerstand. Der Edeka in der Reichenberger – das war ein Laden mit Tradition. Der Buchladen in der Wiener, der Bantelmann im Wrangelkiez.

    Ich hab so das Gefühl, da wollen sich einfach ein paar Leute aufregen und Solidarität schreien – ohne Substanz. Traurige Wahrheit – hier im 36 Kiez ist doch fast nix mehr übrig, die Welle ist doch schon über uns gezogen und hat alles unter sich begraben. Die ersten Gentrifizierungsläden haben doch schon längst wieder zugemacht und wurden duch neue vegane bio Blabla Nachhaltigkeits Hipster Läden ersetzt.

    Es ist zu spät und der Aufschrei wegen diesem recht unbedeutenden Aufbäcker (davon gibt es hier wirklich genug) ist einfach übertrieben.

    Antworten
    1. Kati

      @Erling: Dem Tenor deiner Antwort entnehme ich, dass ich einen wunden Punkt getroffen habe. Ich wollte mit meinen Zeilen nicht persönlich verletzen! Ja, ich bin in xberg aufgewachsen und hege nach wie vor tiefe Gefühle für diesen Kiez!
      Zu den Fakten:
      Auf der Ecke glogauer/ Reichenb. führte Fehmi sein Kfz.-Gutachter-Büro für Unfallautos und keinen Autohandel! Den freien Platz nutze er als Lagerfläche für die beschädigten und verrosteten Kraftfahrzeuge (Schrottfahrzeuge).

      Ich habe zu keinem Zeitpunkt jemanden verboten, über das neue Haus sein eigenes Urteil zu bilden. Meine Aussage: Im Vergleich zur Lagerfläche für rostige Unfallautos wertet das neue Haus (unabhängig von seiner Architektur) diese Ecke auf!

      Das Café Filou was ich letzten Sonntag besichtigen konnte, hat sich im Vergleich zu 2001 (Herbert’s Café Filou) bis auf die erheblichen Abnutzungen nicht verändert.
      Wer sich an Herbert’s Café Filou erinnert und den aktuellen Zustand sieht, wird keinen Beleg benötigen.

      Erling, du bringst es auf den Punkt; „Berlin ist schon immer durch Zugewanderte geprägt…“ wir sind da gleicher Meinung wie wahrscheinlich auch der Rest des Kiezes!!! Nur umso mehr irritierten und schockierten die lautstarken Aussagen der Kundgebung wie z.B. „AUSLÄNDische Investoren“, „Filou First“ (America First) etc. – das erinnert sehr stark an Pegida, AfD und Trump als an mein altes Kreuzberg!
      Und dazu noch immer diese unterschwelligen Aufrufe zur Gewalt gegen „die anderen, die den von uns aufgebauten Kiez melken“ wollen…

      Nur weil Herbert und die jetzigen Betreiber sich kannten, macht es die Filou-Übernahme zur perfekten Geschäfts-Übernahme?!! Ich hoffe, die Investoren nehmen dein Argument nicht auf, um weitere Kündigungen (weil, wir kennen ja unsere Mieter) zu rechtfertigen.

      Während der Demo wurden Plakate in Englischer Sprache verfasst, jemand beauftragt, der in Englisch über das Mikrofon direkt an die Hauseigentümer sprach! Ja, bei diesem Aufwand der betrieben wurde, steht eines mehr als deutlich fest: der Hauseigentümer spricht kein Deutsch!!! Jedoch soll er tatsächlich „Kiez und nicht passendes Konzept“ in Deutsch formuliert haben!?! Ferling, ich glaube, da musst auch du schmunzeln!

      Nur noch mal zum Nachdenken an alle:
      Nur weil Pegida lautstark „wir sind das Volk!“ verbreitet, sind sie nicht das Volk!!!

      Kämpft für eure Rechte und vor allem für euer Zuhause!!! Aber bitte gleitet nicht in Populismus ab… dann werde ich auch wieder an euren Demos teilnehmen!

      Und etwas zum schmunzeln:
      Filou (französisch) – „eine Person, die andere geschickt zu betrügen versteht.“
      Das Café Filou ist weit entfernt von einer „französischen Bäckerei“
      — Nicht Ernst nehmen! —

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      1. Erling

        Hallo Kati,

        ich habe die Renovierung damals persönlich erlebt. Und den Namen der Bäckerei hat der Erstbesitzer ihr gegeben. Wollen Sie ihm jetzt auch Gaunerei unterstellen?
        Wissen Sie, es ging dem Besitzer, so weit ich mich recht entsinne, darum, dass die Bäckerei so fortgeführt wird, wie er sie gründete. Und das taten die Nachfolger auch.
        Ebenso wird der Umstand außer acht gelassen, dass es in ganz Deutschland kaum noch Bäckereien gibt, die die Teige selbst herstellen. Das hat auch mit immer höheren Standards zu tun, denen auch noch andere Handwerksbetriebe aus der Nahrungsmittelbranche zum Opfer fielen. Metzgereien mit eigener Schlachterei z.B. Verkauft ein Fleisch- und Wursthandel dann auch keine richtigen Fleischwaren mehr nur weil er keine eigene Schlachterei besitzt?
        Manchmal klaffen Anspruch und wirtschaftspolitische Realitäten etwas weit auseinander. Alles soll billig sein aber 100% handgemacht.
        Meiner Familie haben die Backwaren aus dem Filou immer sehr gut geschmeckt, als wir dort noch wohnten.
        Und was den Edeka anbelangt der bei mir noch viel mehr um die Ecke lag: ja, der war auch nett und ich habs ebenso bedauert, dass er aufgeben musste. Die Pächterin war echt verzweifelt weil die Pacht so hoch war. Nur: den Edeka musste man sich leisten können. Billig war der auch nicht. Aber das war eben für mich auch nicht das einzige Kriterium.
        Ich kann nur hoffen, dass die Kreuzberger realisieren, dass sie in einer der begehrtesten und schönsten Gegend in Berlin wohnen. Aber eben auch teuersten.
        Da ist dann eben nicht alles mehr so billig wie zu der Zeit, als die Mauer noch stand.
        Manches lernt man leider erst zu schätzen wenn es weg ist.

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      2. Bizim Kiez

        Deine Meinung können wir sicher akzeptieren, wie jede andere Meinung auch, Kati, aber einige Sachen wollen wir hier doch bitte richtig stellen:

        – Der Punkt, dass es sich hier um englisch-sprachige Investoren handelt, ist eigentlich nichts besonderes. Es macht keinen Unterschied, woher ein Investor kommt, sofern er eine gewachsene Kiez-Gemeinschaft aus reinen Profitinteressen kaputt macht. Die meisten Investoren – egal, woher sie kommen – scheren sich nicht über die Bedingungen ihrer Investition, es ist denen egal, wo sie sich auf der Welt befindet und was sie dort anrichtet – Hauptsache, sie wirf Gewinn ab. Das Kapital hat keine Heimat, um es ein wenig pathetisch auszudrücken. Wir schreiben den Leuten nicht vor, wie sie ihre Redebeiträge halten, und sicher gleitet im Zuge von Protest hier und da mal aufgrund der Polarisierung und Zuspitzung der ein oder andere Seitenhieb aus, weil das ein sehr emotionales Thema ist, es geht hier schließlich um Existenzen, und nicht nur um die Idee eines gewachsenen Kiezes. Aber diesen Protest mit Pegida zu vergleichen, ist nicht zulässig. Wir alle sind uns durchaus der Seite bewusst, auf der wir stehen, und die ist ganz klar progressiv. „Progressiv“ bedeutet aber auch: sozial. Wie du hier von „Aufwertung der Ecke“ durch den Neubau sprichst, frage ich mich, ob du die gesellschaftlichen Zusammenhänge begreifst, die sich an der Geschichte des Filou zeigen, oder ob du nur ästhetisch argumentierst. Niemand hat etwas gegen ein schönes Gebäude mit einer begrünten Fassade. Ein Problem ist, wenn dadurch sozial schwache Mieter verdrängt werden, weil z.B. der Neubau Ferienappartements beherbergen soll, die sich an ein Klientel richten, die zur Umstrukturierung der Ökonomie beitragen, weil sich das Angebot mehr und mehr an ein solventes Touristen-Publikum richtet. Das Filou selbst kann man finden, wie man will, es ist trotzdem immer noch Teil einer Ökonomie, die eben anwohner*innenorientiert ist, und beides – Neubau und Verdrängung des Filou – sprechen eine deutliche Sprache darüber, wo die Reise in Kreuzberg 36 hingehen soll.

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    2. Bizim Kiez

      Es ist wirklich traurig zu lesen wie du, „Ureinwohner“ hier die Solidarität, die Anwohner*innen gegenüber dem Filou praktisch zeigen, diskreditierst, indem du sagst, dass sei nur Demotourismus, und die Leute würden hier ja gar nicht wohnen. Der Protest zum Verbleib des Filou wird von Anwohner*innen getragen, die sich in der Initiative GloReiche organisiert haben. Am Samstag wurden auch andere Inis eingeladen, um zu sprechen, und andere Fälle im Kiez, von denen du zwei auch angesprochen hast – Bantelmann und Kisch & Co – bekannter zu machen. Es sind auch Leute aus Neukölln und Friedrichshain gekommen, wo ähnliche Prozesse laufen. Was wir hier erleben, ist mitnichten Demotourismus, sondern der Versuch, all diese Einzelfälle bezirksübergreifend aufeinander zu beziehen, und der Politik und den Investoren zu signalisieren: wir sind viele, wir sind damit, wie die Dinge hier laufen, nicht einverstanden, und wir werden selbst aktiv, anstatt zu warten, dass es jemand für uns tut. Auch, wie du die einzelnen Fälle gegeneinander stellst, statt sie im Zusammenhang zu sehen, finde ich zutiefst unsolidarisch. Was heisst hier „wichtigere Fälle“ ? Wir alle, die aktiv sind, und deren Aktivität du als substanzlos bezeichnest, werten die Fälle nicht gegeneinander, sondern wir haben begriffen, dass es nur zusammen geht. Die Fälle voneinander zu trennen, das schwächt uns alle. Und dann deine Aussage, dass es zu spät ist. Ja, es ist spät – aber es ist niemals zu spät. Es ist äusserst kritisch, aber wir haben noch Hoffnung. Dass du sie nicht mehr hast, ist schade, aber behindere bitte nicht die Arbeit derjenigen, die sie nicht aufgeben. Du kannst tun, was du willst, also beteilige dich an der Intervention in die laufende Geschichte und hif deinen Nachbar*innen, oder bleib weiter untätig, aber, bitte, rede nicht die Arbeit von Menschen klein, die sich wirklich um den Kiez kümmern wollen.
      Und was das vermeintliche Angebot einer Verlängerung angeht, falls ein echter Bäcker eingestellt wird – ich frage mich, warum du hier so einseitig gegen unsere Kommunikation des Falles Filou an die Öffentlichkeit wetterst, aber den Investoren ihre Geschichte sofort abkaufst…

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  14. Ureinwohner

    @Erling
    Ich mag es wie die Realität einfach gebogen und verdrängt wird – alles was nicht in den Kram passt, wird ignoriert.

    Im Filou gibt es die gleiche Aufbackware wie die Strasse etwas weiter in der türkischen Bäckerei – da zu einem Bruchteil des Preises. Die echten Bäcker welche es hier noch gibt, sind billiger als das Filou – das sind Tatsachen, geht mal zum Ladewig etc.

    Herbert – so er wollte, dass das Filou genau so weitergeführt wird, hat sicher nicht verboten mal nen Eimer Farbe in die Hand zu nehmen und ein bissel was zu investieren…

    Die Kundgeber sind die gleichen Leute die man immerwieder auf diversen Demos sieht, ich bin damals mitgelaufen, bis ich merkte, dass es so einigen mehr um den Demo Event geht, als die eigentliche Sache.

    Der Kiez hat sich extrem geändert, insbesondere in den vergangenen 2-3 Jahren, auch die Anwohnerschaft wurde ausgetauscht – leider. Das Bunte und Vielfältige ist einem englischsprechenden Einheitsbrei gewichen.

    Aber, es kotzt mich an wenn dann beispielsweise im ehemaligen Edeka, in dem nun auch ein Kosmetik Laden drin ist, alle Scheiben eingeschlagen werden und dann später auf der Mauer steht „Hier einbrechen“ und ein paar Hassparolen. Das erinnert sehr an DunkelDeutschland, nein nur weil es Links ist, ist es nicht niedlich und auch nicht Folklore.
    Das Carloft, welches bis heute attackiert wird, das ist mittlerweile fast langweilig.

    Ich harre hier aus, obwohl ich die ständig steigende Miete für die immer ältere und abgetakeltere Wohnung zahlen muss, obwohl hier nur noch 2 Parteien lange wohnen und der Rest gefühlt alle paar Wochen wechselt. Der Ort an den ich gezogen bin, existiert schon lange nicht mehr.
    Die Neuankömmlinge kommen zu einem Ort den es nicht mehr gibt.
    In 36 konnte man echt gut und billig (nicht nur günstig) essen und trinken gehen. Und nun, ich glaube die Bierpreise in den Lokalen sind hier höher, als im Rest der Stadt, Essengehen ist richtig teuer geworden, Preise die vor ein paar Jahren noch undenkbar waren, sind nun normal. Auch das ist in den ehemals teuren Bezirken jetzt billiger und besser – da es nicht nur auf Laufkundschaft ausgelegt ist. Schlussendlich bekommt man da auch überall und ich meine überall, die Aufbackware für weniger Geld als im Filou. Nö das sehe ich nicht ein.
    Ich sehe nur, wahrscheinlich wird nun der Terror mit zerbrochenen Scheiben und Hassparolen an dem neuen (sehr schön gewordenen IMHO) Gebäude an der Ecke starten. Sozusagen, kauft nicht bei…
    Das möchte ich einfach nicht, aber diese seltsame Legendenbildung um das Filou fördert wahrscheinlich solche zerstörerischen Aktionen. Höchstwahrscheinlich wird nicht die nette Rentnerin von um die Ecke die Fenster einwerfen, sondern eher jemand der sich über einen „Grund“ freut, seiner Gewalt freien Lauf zu lassen.
    Manche Parolen auf der Demo fand ich wie schon Kati, sehr grenzwertig.

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    1. Erling

      Hallo Ureinwohner,
      ich will nicht Realitäten ignorieren, das ist echt nicht mein Ding. Nur mich für eine Bäckerei einsetzen die ich sehr geschätzt habe und deren Betreiber ich ebenfalls sehr schätze. Ich kann ja mal aus meinem Nähkästchen plaudern:
      Auch wenn es bei mir nur ein relativ kurzer Ausflug in die Gastronomie war, für ca. 6 Jahre betrieb ich das Bistro „Kraut’s“ im Friedrichshain. Letztlich habe ich es abgegeben. Ein wichtiger Grund war, nicht der einzige, ich startete mit echt (zu) niedrigen Preisen.
      In der Nachbetrachtung stellte sich heraus das dies ein Fehler war. Ich habe auch nicht Familienmitglieder in den Laden eingebunden die dann für lau arbeiteten, sondern Studenten die damals knapp 10,-€ die Stunde von mir bekamen. Netto, nicht schwarz.
      Ich weiß aus eigener Erfahrung wie schwer es ist, mit einem Bistro Geld zu verdienen. Da kommt nicht viel bei rum weil jeder Betreiber versucht mit seinen Preisen konkurrenzfähig zu bleiben und trotzdem die immer steigenden Gewerbemieten zu schultern.
      Ansonsten klinke ich mich jetzt hier mal aus. Aber nicht ohne zu erwähnen, dass ich durchaus ein differenziertes Bild auf das Kreuzberg welches ich vor 10 Jahren verließ, hatte und habe.
      Und nun natürlich kaum noch mitreden kann.
      Trotzdem hoffe ich bis zum Schluss, dass es vielleicht doch eine Zukunft für das Filou gibt. So viel Idealismus leiste ich mir in diesem Fall einfach mal.
      Ausnahmsweise.

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  15. Carola Rönneburg

    Mit Ureinwohner habe ich mich inzwischen abgefunden. Wir kommen nicht zusammen, obwohl wir uns wahrscheinlich sogar gegenseitig zunicken, wenn wir uns auf der Straße begegnen. Macht ja nichts.
    Kati ist schon ein anderes Kaliber: Beklagt Populismus auf der Demo und redet vom Filou als „Zufluchtsort von Ratten und Kakerlaken“. Höcke könnte es nicht besser sagen, liebe Kati 🙂

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  16. Ureinwohner

    Lieber Carola und lieber/r Erling,

    es macht ja überhaupt nichts unterschiedlicher Meinung zu sein. Das macht uns aus und das akzeptieren unterschiedlicher Lebensauffassungen war ja mal das was Kreuzberg ausgemacht hat. Konsens um jeden Preis, wie gerade Mode, halte ich für absolut falsch. Also – Let’s agree to disagree, wie ein weiser Mann mal gesagt hat.
    Aber Erling in den 10 Jahren welche du nicht mehr hier in 36 weilst, hat sich unfassbar viel verändert, mehr als du bei einem Sonntagsbesuch wohl mitbekommst. Manchmal verklärt sich dann auch das Bild was man so im Herzen trägt…

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  17. Gerd

    Was interessieren sich die feinen Herrn Investoren aus London denn schon für unseren Kiez, wenn sie nichmal Deutsch sprechen?! Ich hab ja generell nichts gegen das bunt gemischte Kreuzberg, aber wo kann man sich denn heutzutage eingliedern, bzw. wissen, was „ins Konzept des Kiezes“ passt und was überhaupt los ist, wenn man kein Wort der Landessprache spricht?! Ist wohl eher nicht Priorität und die wollens auch gar nicht verstehen. Profit rausschlagen war ja das oberste Ziel…und wenn dabei Existenzen zerstört werden. Traurig!

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  18. Greta

    Baeckerei hin oder her: aber mich wuerde tatsaechlich interessieren wie es geschehen konnte das jetzt wir im Kiiez ein ganzes Haus (!) voller Ferienwohnungen haben.
    also: WER das genehmigt hat. Welches Amt, welcher Herr/Dame. Wann. Und mit welchem Bescheid.
    Koennte das mal jemand herausfinden?

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  19. Jörg

    was soll das? Scheiben einwwerfenund Auslander raus Schmiererein sind ja wohl echt das LETZTE und genausoschlimm wie Kuendigung!

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    1. Bizim Kiez

      Lieber Jörg,

      schau mal hier haben wir zu den aktuellen Entwicklungen bereits Stellung genommen: https://www.bizim-kiez.de/blog/2017/03/01/keine-fremdenfeindlichen-taten-in-unseren-nachbarschaften/

      Es ist weder in unserem Sinne als Vertreter.innen von solidarischen Nachbarschaften, dass ausländerfeindliche Parolen an Häuserwände geschmiert werden, noch hat unser legitimer Protest irgendetwas mit Sachbeschädigung zu tun. So etwas kann Bizim Kiez nicht vertreten!

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