Ioannis Moraitis will wieder Profite machen. Besser nicht!

Nach wie vor steht der Laden in der Wrangelstr. 77 leer. Die Fenster sind mit Plakaten zugeklebt. Wir sehen vernachlässigte Instandhaltung und im Laufe der Jahre verlassen einzelne Mieter*innen das vor sich hin verrottende Haus. Nach unserer Meinung, wird hier schleichende Entmietung betrieben.

Gewonnen und doch verloren

Unsere Initiative ›Bizim Kiez‹ hat sich gegründet, weil wir verhindern wollten, dass der Gemüseladen ›Bizim Bakkal‹ verdrängt wird. Das ist jetzt einige Jahre her und die Geschichte begann, wie viele: das Haus wurde verkauft und mit der neuen Eigentümerin, einer GmbH, gab es Probleme. Geschäftsführer der GmbH war Ioannis Moraitis. Als wir massiven Protest organisiert haben, wurde gegen uns geklagt. Verfahren folgte auf Verfahren und der aufgebrachte Herr Moraitis hat trotz seiner reihenweise Niederlagen den Weg durch die Instanzen geführt, bis das Ganze schließlich vor dem Bundesgerichtshof landete. Dort wurde die Klage dann endlich letztinstanzlich abgelehnt. Wir können uns also irgendwie als Gewinner*innen fühlen, doch wenn wir ansehen, was derweil aus dem Haus in der Wrangelstraße 77 geworden ist, um das der Kampf entbrannt ist, sind wir eher traurig, als freudig.

Share Deals zerstören lebendige Kieze

Die verschlungene Entwicklung der Eigentümerstrukturen hinter dem Haus, ist das Abbild einer versuchten Vertuschung: Das Haus wurde von Moraitis als Geschäftsführer der Gekko Real Estate über einen Share Deal erworben und auf diesem Weg wurde es nun auch schon mehrfach weiterverschoben. Immer unter Vermeidung der Grunderwerbsteuer und der Auflagen durch den Milieuschutz. Moraitis hat inzwischen keine aktive Verbindung mehr mit dem Haus. Seine GmbH die anfangs Eigentümerin war, hat sich umbenannt und Moraitis hat versucht, mit seinen Anwälten möglichst viele Berichte im Internet über die damaligen Vorfälle bereinigen zu lassen. Leider oft mit Erfolg, weil nicht alle die Kapazitäten aufbringen können, dieses juristische Nachtreten durchzustehen. Auch uns hat das viel gekostet – Energie, Aufmerksamkeit, Geld – und ohne die vielfältige Unterstützung aus dem Kiez, für die wir uns auch hier wieder einmal herzlich bedanken möchten, hätten auch wir das nicht durchgestanden.

Es bleibt beim politischen Änderungsbedarf

Einige unserer Forderungen, deren Notwendigkeit an diesem Fall gut aufzuzeigen sind, sind jedenfalls genauso aktuell, wie am Anfang des Kampfes für den Kiez:

  • Abschaffen von Share Deals im Immobilien Asset-Handel! Anteile an einer GmbH zu kaufen, die nur die Aufgabe hat, Immobilien zu besitzen, ist keine Unternehmensbeteiligung, sondern ein Immobilenkauf. Dementsprechend sollte Grunderwerbsteuer bezahlt werden und die Auflagen des Milieuschutzes sollten eingehalten werden.
  • Einführung eines Gewerbemietrechts mit besonderen Schutzregelungen für soziale Einrichtungen und nahversorgendes Gewerbe! Unsere Kieze leben von den Angeboten in den zur Straße orientierten EG-Flächen und Gewerbetreibende können ihre Läden nicht einfach wo anders betreiben.
  • Verbot von dauerhaftem Leerstand von Gewerbeflächen! Nach einer angemessenen Frist, sollten nicht genutzte Gewerbeflächen in kommunale Zwangsbewirtschaftung für gemeinwohlorientierte Nutzungen kommen.

Das Treiben der Hedera Bauwert GmbH

Ioannis Moraitis ist weiterhin tätig in der Immobilienbranche. Seine GmbH heißt jetzt Hedera Bauwert GmbH und sie zieht nach unserer Einschätzung eine Spur von misslungenen Bauprojekten hinter sich her. Handwerker fühlten sich abgezockt und klagten gegen ihn, es geht um in den Sand gesetzte Anlagen und womöglich gefälschte Online-Bewertungen.

Doch Moraitis sieht sich selbst äußerst positiv und lässt seine Deals nun wieder selbstbewusst als „Visionäre Immobilienprojekte“ anpreisen.

Der Drache kommt zum Ort seiner Entstehung

Am Samstag, den 13. November 2021 werden wir mit dem widerständigen Laternenumzug auch vor dem Haus Wrangelstraße 77 vorbeikommen und an die Geschichte erinnern. Wir hoffen auf große solidarische Unterstützung, wenn wir alle zusammen mit unseren Laternen den Kiezdrachen formieren.

Alles zur Drachendemo im November 2021

 

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