Kreuzberg ist kein Kaufhaus!

Am Dienstag, den 28. Juli 2020 haben rund 400 solidarische Nachbar*innen zum Doppelschlag für die Umsetzung des bezirklichen Vorkausfrechts ausgeholt. Unter dem Motto »Kreuzberg ist kein ›Kaufhaus‹!« hatten wir zu einer Demonstration quer durch den Kiez aufgerufen – gemeinsam mit der Initiativen GloReiche sowie den Hausgemeinschaften, die sich die Namen WOHLI und Willi wollt’s anders gegeben haben.
Das Mietshaus Wiener Straße 22/ Ohlauer Straße 2 (Mieter*innengemeinschaft WOHLI) und die Wrangelstraße 83 (Mieter*innengemeinschaft Willi wollt’s anders) wurden kürzlich an Investoren verkauft. Wir wollen, dass der Bezirk dazwischen grätscht und hier gleich zwei Mal von seinem Vorkaufsrecht Gebrauch macht.

‚Kreuzberg ist kein Kaufhaus‘ 28.07.2020

Wir starteten mit einer Kundgebung vor dem Eckhaus Wiener Straße 22 / Ohlauer Straße 2. Dort sind 35 Menschen betroffen, die zum Teil bereits seit 1964 dort wohnen, und dazu noch echte Institutionen im Kiez, nämlich die Kiezkneipe „Madonna Bar“ und das „Tabac & Whisky Center“.
Nachdem wir alle schon erlebt haben, dass Gewerbemieter*innen im nullkommanix dem Profitstreben neuer Eigentümer*innen geopfert werden, sind gerade auch die Stammgäste der Madonna Bar alarmiert – deren solidarischen Widerständigkeit können sich die Hauskäufer sicher sein! Es geht aber nicht um die Bar, sondern ums Ganze, machte Madonnna-Wirt Kalle in seinem Redebeitrag klar, mit dem für die Hausgemeinschaft sprach.

‚Kreuzberg ist kein Kaufhaus‘ 28.07.2020
Kalle aus der Madonna Bar

Solidarität kam auch aus der Wienerstr. 22, die sich mit drohender Umwandlung in Eigentum herumärgern müssen, und vom Maybachufer 17, wo ebenfalls um Vorkauf gekämpft wird. Und vom Mieterbündnis 23 Häuser, die diesen Kampf schon geführt haben und mit ihm nicht weniger, aber auch nicht mehr als eine Abwendungsvereinbarung der Käuferin Deutsche Wohnen erreicht haben. So hat Rednerin Lorena auch auf den Punkt gebracht, woran das Vorkaufrecht als Instrument krank: Es ist eben allenfalls eins für den Milieuschutz, aber keins, das für die gebotene Überführung von Bestandwohnungen in gemeinwohl- statt profitorientierte Hand taugt. Rekommunalisieren, nicht nur „Abwenden“ müsse in einer Reform endlich zur explizite Zielsetzung werden. Und natürlich: Solange auch beim Vorkauf die Mondpreise der Verkäufer*innen bedient werden, ist der Spekulationsdynamik der Zahn nicht zu ziehen. Da muss jetzt in der im Herbst anstehenden Baugesetzbuchnovelle der Bundestag ran, fordern auch wir. Die Bodenpreise müssen reguliert werden!

‚Kreuzberg ist kein Kaufhaus‘ 28.07.2020

Zusammen zogen wir rüber in die Görlitzer Straße und machten einen Stopp vor der Pizzeria De Noantri, deren Mietvertrag nicht verlängert wurde. Seit 10 Jahren ist die Pizzeria De Noantri in der Görlitzer Str. 63 ein Treffpunkt im Kiez für viele Nachbar*innen. Wir nehmen nicht hin, dass sie gehen muss. Wir nehmen die Gutherrenmentalität nicht hin, mit der unsere Nachbarschaft profitgerecht umgestaltet werden soll!

‚Kreuzberg ist kein Kaufhaus‘ 28.07.2020
Die Hausgemeinschaft aus der Wrangelstr 83

Auf der Abschlusskundgebung stellte sich die Mieter*innen aus der Hausgemeinschaft Willi wollt’s anders vor. Die Wrangelstraße 83 wurde gegen den Willen des verstorbenen Eigentümers Willi Kolberg verkauft. Dabei hatte er in seinem Vermächtnis klargestellt: „Ich wünsche auf gar keinen Fall, dass meine Häuser verkauft oder anderweitig veräußert werden. Sie sind mein Lebenswerk.“ Ein Skandal.

‚Kreuzberg ist kein Kaufhaus‘ 28.07.2020
Abschlusskonzert mit ‚The Kaye Soffski Show‘

Ohne Kultur läuft nix: Zum Abschluß spielten The Kaye Soffski Show auf…

Presseberichte:
https://www.neues-deutschland.de/artikel/1139694.vorkaufsrechts-gegen-ein-investorenkaufhaus-kreuzberg.html

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