Noch kein Schrei vor Glück: Bizim Kiez begrüßt Zalando-Rückzieher in Kreuzberg und fordert Senat und Bezirk zum Handeln auf

Es ist eine gute Nachricht, dass sich Zalando vom Kreuzberger Cuvry-Gelände zurückzieht. Mit der Ansiedlung des Onlinehändlers drohte ein bislang funktionierender Kiez, dem steigende Mieten und zunehmende Touristifizierung bereits stark zusetzen, durch die Monokultur von 2000 Angestellten vollends aus dem Lot zu geraten. Mieten für Wohnungen und Gewerbeflächen stiegen nach Bekanntwerden der Zalando-Ansiedlung im Mai 2017 rasant. Denn die Eigentümer rings um das Baugelände witterten gigantische Renditemöglichkeiten und setzten auf den Bau von Luxuswohnungen mit Tiefgaragen für die Zalando-Angestellten.

Jedoch ist die vom Investor geplante Bebauung mit Büro- und Geschäftsgebäude und Hotel, nach Baugenehmigung aus dem Jahr 2001, mit dem Rücktritt von Zalando als Mieter nicht vom Tisch. Bizim Kiez fordert die Senats- und Bezirkspolitik auf, jetzt schnellstmöglich auf den Eigentümer Arthur Süßkind zugehen, um ein neues sozialverträgliches Bebauungskonzept zu erwirken: „Niemand will den geplanten Gewerbepark nach völlig überkommenen Plänen. Wir erwarten ein öffentliches Partizipationsverfahren für die Nachbarschaft. Angesichts von weit über 100.000 fehlenden günstigen Mietwohnungen in Berlin muss eine Bebauung den Anforderungen des sozialen Wohnungsbaus entsprechen. Dazu muss die bisherige Forderung des Senats nach einer Quote von 25 Prozent Sozialwohnungen deutlich nach oben korrigiert werden. Außerdem müssen ausreichend Grünflächen und der freie Zugang zur Spree gewährleistet sein. Statt völlig veralteter Pläne für noch mehr Büroflächen, Hotels oder Einkaufscenter brauchen wir hier Platz für Kitas und andere von Raumnot geplagte Bildungseinrichtungen sowie für das nahversorgende Gewerbe.“

Geprüft werden müsse zudem, ob angesichts dieses erneuten Scheiterns durch Verzögerungen am Bau die alte Baugenehmigung und die Architekten-Pläne aus dem Jahr 2001 rechtlich überhaupt noch Bestand haben können.

Stadtentwicklung gehört in die Hand der Gesellschaft. Bizim Kiez fordert den Senat und die Bezirke auf, alle Instrumente zu nutzen, um eine von Zalando weiterhin angestrebte Anmietung von 35.000qm Gewerbefläche im Innenstadtgebiet auf ihre sozialräumlichen Folgen zu prüfen und im Sinne nachhaltiger Stadtentwicklung regulierend einzugreifen.

Zugleich wertet Bizim Kiez den Rückzug von Zalando auch als positives Signal für Proteste gegen Ansiedlungen, die ähnlich Aufwertungsdruck erzeugen, wie etwa gegen einen geplanten Google-Campus in Kreuzberg.

 


Hintergrund:

Heute wurde in der Berliner Morgenpost berichtet, dass Zalando als alleinger Mieter für die 34.000 q/m Gewerbefläche aus dem bereits geschossenen Mietvertrag aussteigt.
Dabei wurde ausdrücklich betont, Zitat: »Der Rückzug habe nichts mit der Angst vor gewalttätigen Protesten aus dem Kiez zu tun, versichert der Internet-Gigant.« Der wahre Grund sei, dass die Baustelle der Investorengruppe um Artur Süßkind nicht fristgerecht voran kommt.


Reaktionen:

2 Gedanken zu „Noch kein Schrei vor Glück: Bizim Kiez begrüßt Zalando-Rückzieher in Kreuzberg und fordert Senat und Bezirk zum Handeln auf

  1. Peter Pan

    Geht’s vielleicht noch ein bisschen mehr? Irgendwie werden hier Forderungen an Eigentümer, Bauherren und Politiker aufgestellt die nichts mit geltenden Abstimmungen und Genehmigungen zu tun haben. Aber genau dieses hohe Gut der Rechtssicherheit ständig grundsätzlich in Frage zu stellen ist extrem manipulativ. So leid es mir für viele tut, aber es gibt einfach kein Grundrecht auf eine “bezahlbare” Wohnung in Innenstadtlagen auf Kosten der Allgemeinheit.

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