Andrej Holm muss Staatssekretär bleiben

Offener Brief an den Berliner Senat aus SPD, Grünen und Linken und die Koalitionsfraktionen im Abgeordnetenhaus von Berlin.

Wir fordern den neuen Senat eindringlich auf, an Andrej Holm als Staatssekretär für Stadtentwicklung und Wohnen festzuhalten.

Andrej Holm steht nicht nur wegen seine Stasi-Vergangenheit und seinem späteren Umgang damit in der Kritik, sondern er wird jetzt vor allem so stark angegriffen, weil er für mieten- und wohnungspolitische Positionen steht, die zwar von einer breiten stadtpolitischen Bewegung und Öffentlichkeit geteilt werden, die aber im klaren Kontrast zum bisherigen Verhalten des abgewählten Senats stehen. Wir sehen deshalb die Angriffe auf Andrej Holm als Versuch, eine anstehende Kurskorrektur durch das Diskreditieren des Personals zu erschweren.
 
1) Wir kennen Andrej Holm als sachlich argumentierend und fachlich äußerst kompetent. Wir kennen ihn als einen solidarischen Wissenschaftler und empathischen Aktiven, als Streiter für die Rechte von Mieterinnen und Mietern.

2) Nicht geringe Teile der Berliner Bevölkerung sind zu ausgesperrten Zuschauern der rasanten (Stadt-)Veränderung geworden. Andrej Holm hat wie kein anderer seit langer Zeit in der Öffentlichkeit vor der aktuellen Wohnungskrise gewarnt, die Berlin spaltet. Explodierende Mieten, Gentrifizierung und Verdrängung bedrohen viele Berliner und Berlinerinnen und das gesellschaftliche Miteinander, das ein Gemeinwesen ausmacht.

3) Andrej Holm hat in den letzten Jahren diverse konkrete Vorschläge für einen Kurswechsel in der Berliner Wohnungspolitik gemacht oder war an der Erarbeitung solcher Vorschläge beteiligt. Jetzt muss es darum gehen, diese Konzepte umzusetzen.

4) Hier geht es nicht um die Personalie „Holm“. Hier geht es vielmehr um die Zukunft Berlins und darum, welchen Interessen der Senat folgt. Eine soziale Stadtentwicklung und Wohnraumversorgung ist aus unserer Sicht elementar für die Zukunft Berlins. Die Immobilienwirtschaft und die Stadtverwertungsagenten wollen Andrej Holm scheitern sehen und sich weiter ausschließlich um ihre eigene Rendite kümmern.

5) Die Personalie Andrej Holm eignet sich nicht zu einer sachlichen Aufarbeitung der Stasi-Geschichte. Andrej Holm hat Fehler gemacht, sie eingestanden und sich erklärt. Er stellt sich aktiv der kritischen Auseinandersetzung in dieser Sache. Ein Umgang mit diesem Thema, der dies alles nicht beachtet, dient nicht der demokratischen Auseinandersetzung in der Sache.

Unterzeichnende:
Kotti & Co, Stadt von Unten, Bizim Kiez, Mietenvolksentscheid, ExRotaprint, Initiative 100% Tempelhofer FeldSozialberatung Friedrichshain, Initiative Stadt neudenken, Think BerlinWem gehört MoabitHaben & Brauchen, Kiezpalaver SchönebergNETZ für Selbstverwaltung und Kooperation Berlin-Brandenburg e.V, Unser Block bleibt, Die Initiativen vom Mieten- und Stadtpolitischen Hearing und dem Bündnistreffen der stadtweiten Berliner Initiativen …

An anderer Stelle können auch noch weitere oder andere Initiativen genannt werden, die sich noch solidarisch anschließen. Initiativen, die noch hier in die Liste wollen, können uns anschreiben: internet@bizim-kiez.de

Die Unterzeichnenden werden mehr:
Alle sind eingeladen, sich diesem Offenen Brief anzuschließen und ihn bei sich zu veröffentlichen oder zu teilen. Schreibt alle an, die es angehen könnte!


Dieser „Offene Brief“ wurde von Aktiven der Initiativen „Stadt von unten“ und „Kotti & Co“ initiiert. Bizim Kiez erklärt sich solidarisch und unterstützt die Aktion. Leichte textliche Abweichungen zwischen den Veröffentlichungen bei den einzelnen Initiativen können auftreten.

12 Gedanken zu „Andrej Holm muss Staatssekretär bleiben

  1. Michael Klein

    Sollte die LInke vor dem Druck der Medien, der Opposition und POlitikerInnen der beiden Koalitionsparteien SPD und Grünen einknicken, würde ich mich gezwungen sehen, meine langjährige Mitgliedschaft bei der Linken umgehend zu beenden. Eine solche Linke braucht man nicht!

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  2. Karsten Sommer

    Danke für den offenen Brief!
    Die aus der DDR-Opposition hervorgegangene Zeitschrift „Telegraph“ hat auch einen guten Text zur Kampagne gegen Holm geschrieben:
    http://telegraph.cc/offene-diskussion-statt-schmutzkampagne/

    „Damit hat Andrej genau das getan, was weite Teile der ehemaligen DDR-Opposition immer gefordert haben: Er ist offen mit seiner Beteiligung am Repressions- und Überwachungsapparat der DDR umgegangen, er hat sich dieser Vergangenheit gestellt und er hat persönlich Lehren aus ihr gezogen. Sein seit nunmehr 26 Jahren andauerndes Engagement für mehr Bürgerbeteiligung und Demokratie im Wohnungswesen ist auch ein Ergebnis dieses biographischen Bruchs. Wir sehen das als Fortschritt. Statt „lebenslänglich“ für Stasi-Mitarbeit brauchen wir genau den offenen Umgang, den Andrej mit diesem Thema vorgelebt hat.“

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  3. Kalle Gerigk

    Andrej Holm steht er für eine neue Wohnungspolitik und für ein Recht auf Stadt für Alle! Darum muss Andrej Holm Staatssekretär bleiben!

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  4. Pingback: Wissenschaftler_innen für Andrej Holm | EASTSIDENEWS

  5. Pingback: Andrej Holm gegen Hetzkampagne unterstützen - rechtaufstadt.at | Wem gehört Stadt?

  6. Carsten Renheg

    Alle Vorwürfe sind ja nicht ausgedacht. Wer Charakter hat nimmt vorher den Hut. Wer keinen hat, bleibt so lange, bis man in raus trägt. Und meint dann immer noch Recht zu haben. Armes Deutschland

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  7. astrid schmudde

    Andrej Holm steht er für eine soziale Wohnungspolitik und das Recht auf Stadt für für alle Bürgerinnen und Bürger Berlins. Er ist genau der Richtige für ein soziales und weltoffenes Berlin!
    Er muss Staatssekretär bleiben!

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  8. Christina König

    Nicht, dass ich diese Stasiverschleierung gut finde, aber befindet sich Andrej Holm da nicht in bester Gesellschaft?
    War nicht unsere Kanzlerin zu DDR-Zeiten in Mielkes Büro Sekretärin für Propaganda und Agitation?
    Existieren da nicht Bilder, wo sie in Uniform und im fröhlichen Gleichschritt mit den FDJ-Mädels marschiert? Es war Regimekritikern in der DDR nicht erlaubt zu studieren. Wie sicher muss sich die DDR also ihrer Loyalität und der Erfüllung von Auflagen gewesen sein und wie anders hätte sie sich sonst das Recht erarbeitet, sogar im Ausland zu studieren? Es gibt Fotos, die Angela Merkel unter dem Decknamen IM Erika in der Nähe des Anwesens von Robert Havemann zeigen, dem Staatsfeind und Regimekritiker, der von der Stasi rund um die Uhr überwacht wurde?
    Beruflicher Aufstieg in der DDR war nur durch ein angepasstes politisches Verhalten, und Privilegien nur durch besonderes Engagement möglich!
    Frau Merkels IM-Stasifreunde Michael Schindhelm und Frank Schneider landeten nach der Wende auf den höchsten Posten im deutschen Kulturbetrieb – die klügste Methode, alte Freunde bei Laune zu halten!
    Wozu also diese Aufregung um Andrej Holm? Vielleicht ist er jetzt ein Bauernopfer! Er wird sich doch hoffentlich zu wehren wissen!

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  9. Pingback: Den Bock abgeschossen – welche Bewegung bewegt was? – Stadt von Unten

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