Hinterhof Manteuffelstr. 99 mit Baugerüst und Entlüftungsanlage.

Ständig wechselnde Eigentümer und nur Ärger – wie wohnt es sich eigentlich in der M99?

11.November 2015

Hans Georg Lindenau erläutert seine Situation am 11.11. vor seinem Laden in der Manteuffelstr.99 anlässlich des Laternenumzugs gegen Verdrängung


 

Eindrücke im Spätsommer 2015

In den Hausflur der Manteuffelstr. 99 gelangt HG über den Eingang in der Waldemarstraße, gleich neben dem Technoclub 60Hertz. Eine massive, alte Holztüre lässt beim Öffnen verheißen, gleich einen Blick auf einen imposanten Altbau-Flur werfen zu können. Aber: Pustekuchen! Statt Stuck und Schön präsentiert sich ein lange vernachlässigter Innenbereich, recht schmutzig und kaputt. Auf dem Boden glitzert ein See. Nur leider nicht in blau mit Entchen drauf, sondern in Form mehrerer, trüber Pfützen (dabei hat es gar nicht geregnet?!).

Ins Wasser gelegte Holzplatten und Pappen stellen die zur „Idylle“ gehörenden Stege dar. Möchte man trockenen Fusses weiter kommen, hat man die Ehre, auf diesen Brettern wandeln zu dürfeln. Als Rollstuhlfahrer bleibt man zwar hier und da an einer Kante hängen, aber man soll ja nicht so kleinlich sein.

Geradeaus führt der Weg zum Hinterhof, über den HG Zugang zu seinem Haus bekommt. Dort sieht es eigentlich ganz nett aus: Ordentliche Gehwegplatten, hier und da etwas Grün … hier kann die Nachbarschaft im Sommer gemütlich zusammen den Feierabend verbringen. Grillen, Reden, … .

Wären da nicht ein paar Kleinigkeiten, die dieses Mieter-Träumchen sofort platzen liessen: Ein unsympathisches Baugerüst räkelt sich die Fassade hoch. Schaut man dann am Haus hinauf … schaut man am liebsten sofort wieder hinunter – der Anblick lässt fürchten, man könnte von fallenden Fassadenstückchen erschlagen werden: Die Wand ist voller Löcher und Risse und überall kommt das lose Mauerwerk zum Vorschein. Hier ist nicht nur ein bisschen Putz abgebröckelt, zwischen den Steinen könnten stellenweise ganze Kleintierfamilien wohnen. Angesichts dessen muss man sich wohl beinahe schon über das Gerüst „freuen“. Es lässt hoffen, dass die Schäden beseitigt werden. Die Frage, wie lange es eigentlich dauert, bis eine Hausfassade diesen Zustand erreicht hat, stellt sich dennoch.

Hinterhof Manteuffelstr. 99 mit Baugerüst und Entlüftungsanlage.

Hinterhof Manteuffelstr. 99 mit Baugerüst und Entlüftungsanlage.

Keinen Quell der Freude stellt auch die blecherne Entlüftungsanlage dar. Vor nicht allzu langer Zeit wurde sie für den Technoclub angebracht, damit die Feiergesellschaft drinnen gute Luft hat. Gute Luft hätte HG sicher auch gerne, ist aber nicht drin: Das dicke Entlüftungsrohr endet direkt vor HG’s nicht dicht verschliessbarem Fenster und sorgt so allenfalls für „dicke Luft“.

Leider zeigt sich das Haus auch im weiteren Verlauf von seiner schlechtesten Seite. Tritt man durch die Hoftür in den Flur der Manteuffelstr. 99, wird man linkerhand von einem dicken Bündel Stromleitungen begrüsst, die die heruntergekommenen Wände zieren. Rechterhand bettelt die Tür der Außentoilette um einen neuen Anstrich und die 5 Stufen, die es nun noch bis zu HG’s Wohnungstür zu bewältigen gilt, lachen sich schonmal ins Fäustchen: Hier wurde nämlich nicht nur auf eine Rampe sondern der Vollständigkeit halber auch gleich auf das Treppengeländer verzichtet. „Viel Glück“ kann man da jedem motorisch Eingeschränkten nur wünschen.

Stromleitungen im Hausflur der Manteuffelstr. 99

Stromleitungen im Hausflur der Manteuffelstr. 99

Wenn es wenigstens in der Wohnung schön wäre …

„Du lügst, dass sich die Balken biegen!“ lautet ein alter Spruch. Und „Versprochen ist versprochen, bei vielen hat er’s schon gebrochen.“ sagt HG. Steht man in HG’s Parterre-Zimmer, könnte man fast meinen, an dem Spruch sei auf eine seltsame Art und Weise etwas Wahres dran: Durch die Zimmerdecke drückt sich – sichtbar gebogen – ein Balken. Leider ist es nicht „irgendein“ Balken, der hier offensichtlich vor sich hin morscht, sondern ein wichtiger Hauswandstützträger, auf dem die Ecken der beiden Häuser M99 und W108 stehen. Dieser nähert sich nun beharrlich den eigenen Grenzen der Belastbarkeit. Gelinde ausgedrückt: Nicht ganz ungefährlich, dieses Balkenbiegen.

Morscher Stützträger, der sich durch die Zimmerdecke im Parterre biegt.

Morscher Stützträger, der sich durch die Zimmerdecke im Parterre biegt.

Wie sehr sich der Trägerbalken biegt, wird klar, wenn man im ersten Geschoss die sich direkt darüber befindende Küche betritt. Bzw. theoretisch „betreten würde“: Davon sollte man tunlichst Abstand nehmen, denn das Schwindelgefühl, das sich beim Anblick des Fussbodens sofort einstellt, ist nicht einem persönlichen Befinden geschuldet, sondern vielmehr der knallharten Realität: Der Boden ist hier so unfassbar schräg, da würden selbst noch dreieckige Murmeln ohne Anstoss davon kullern. Die knappe Zustandsbeschreibung „einsturzgefährded“ fiel übrigens nicht nur vom Mieter … .

Aber nun mal Ironie beiseite
Die Liste der offensichtlichen Mängel an HG’s Wohnräumen und dem Haus selbst liesse sich tatsächlich noch fortführen. An diese Stelle sei jedoch mal flux erwähnt, dass das alles für Eigentümer, Verwaltung und Bauaufsicht keine Neuigkeiten sind. Im Gegenteil: HG ist zwar sicher keiner der gänzlich unkomplizierten Mieter, aber seiner Pflicht, Mängel zu melden, ist er nachgekommen.
Revolutionsbedarf hin oder her – auch HG will nicht in einer Ruine wohnen, sondern wie jeder andere Mieter  auch, ein Mindestmass an Komfort erwarten können. Das ist stinknormales Mietrecht. Dazu gehört einfach, dass sich die Eigentümer entsprechend kümmern.

Denkweisen seitens der Eigentümer à la „Rattengitter vor dem Kellerfenster wieder anbringen, nachdem sie einfach entfernt wurden? – Nööö.“„Die Elektrizität in Ordnung bringen? – Oooch.“„Türöffner über die Klingelanlage reparieren? – Braucht das jemand?“„Den Stützbalken sichern? – Hmm, andermal.“ usw.  sind alles andere als Vorzeigeverhalten und haben in diesem Fall auch bereits zu einer Zwangsverwaltung geführt.

Die Masche, es insbesondere langjährigen Mietern, die noch keine High-End-Beträge für ihren Wohnraum bezahlen, in ihrer Wohnung möglichst unangenehm zu gestalten und sie durch unterlassene Instandsetzungsmassnahmen und irrwitzige Kündigungsschreiben zum Auszug zu bewegen, um offensichtlich frisch saniert neu vermieten zu können, hat bislang leider bei mehreren Mietern des Hauses funktioniert: Viele sind nicht mehr da. Einige wussten sich nicht zu wehren oder haben kapituliert und sind ausgezogen. Menschenfreundlich ist das nicht. So werden langjährig gewachsene Kiezstrukturen zerstört, genauso wie menschliche Beziehungen innerhalb dieser Gegenden geschädigt werden. Vergessen wird dabei, wie wichtig es ist, sich auf etwas verlassen zu können. Zum Beispiel darauf, dass das M99 Gemischtwarenladen mit Revolutionsbedarf auch morgen noch einfach DA ist. Weil es dazu gehört, weil es einzigartig ist und ganz profan einfach auch, weil es schon immer da war!

Ein Gedanke zu „Ständig wechselnde Eigentümer und nur Ärger – wie wohnt es sich eigentlich in der M99?

  1. Arno

    Mietergedanken:
    „wat neues um weiterzumachen will ick.
    aba wo wie allein mit autonomer selbestimmter assistenz ?
    ich fordere es öffentlich ohne hoffnung – aba keene Chance aba ich nutze sie!
    also wo gibts Platz für HG Revolutionsbedarf? 60 qm? max 1000 euro monatlich
    ne demo anmelden ? Kundgebung. ick fühl mir überfordert. Mag von bizzim überfordere ick och., denk ich. ick mach nu stur den Laden weiter bis ende iss.
    schreib meinen mündlichen aussagetext bis einsendeschluss am 26.10. für Urteilsfindung zum 9.11.2015.Zeig es dem Anwalt Dräger mit antzwort ultimatum . alle sind se überfordert. du noch nich. Ick hab ja och ,mehrere in mir. wenn der in mir verbraucht iss geht der schlafen und den wacht een neuer hg auf.
    iss grad echt einsam für mich, unter den vielen um mich herum!
    Aber depressiv sein iss det nich wert wegen sowat.
    Energie reinstecken iss halt aussaugend wenn der Arbeitsrythnmus für den alltag verschwinden soll.
    Also mach ick so weiter als werde ich nich geräumt! und hoffe auf Öffentlichkeit durch andere! Alternativangebote bin ich gespannt!
    eins hatt ich ja vor einemJahr mit Manteuffel98. die konnten die Räumungsgefahr nich glauben!
    noch einen apell starten fürmneuen Laden wohnraum oder halt Lagerverkaufsraum. setzte wat in indymidia und sprichst ab mit bizim mag?“

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