Berlin – Yuppie-Spielwiese ohne Rückgrat

Spurensuche nach dem „Berlin-Gefühl“

Was macht es alles aus? Und wo findet man es wirklich?
Warum gibt es so eine riesige Hysterie um diese Stadt?
Und was sind die Folgen daraus?

Eins fällt deutlich auf:  Es macht sich ganz schön rar. Das „Berlin-Gefühl“.
Das meiste was man findet sind Illusionen.

Eine Darstellung derer, die ein verfälschtes Bild abgeben. Eine Stadt voller Blender und unaufrichtiger Freundlichkeiten. Alle wollen ein Stück von dem in sich aufnehmen, dass es nur noch selten gibt. Wenn man die Touristen auf ihren Streifzügen beobachtet, bemerkt man schnell, dass sie sich an eine Blase heften. Berlin, ein Ort voller Möglichkeiten, ein Ort der Freiheit. Preisgünstig. Kultur und Bildung geballt. Offenheit und Toleranz.

Identitätsfindung. Abenteuer mit urbanem Charme.

Eine Stadt, in der die Menschen auf die Straße gehen und für ihre Rechte kämpfen.
Die Bewohner dieser Stadt rau, dennoch herzlich, vor allem aber authentisch. Diese Zeiten sind längst vorüber gezogen. Jeder scheint sich hier inzwischen selbst der Nächste zu sein. Zugezogene und Reisende die auf den Zug der Liebe aufspringen wollen,
der längst abgefahren ist.

Leerstehende Fabrikgebäude oder Kellerräume, an denen mal eben schnell Stroboskope und Anlagen aufgestellt werden, um einen Rave zu organisieren sind unmöglich. Sämtliche Flächen, Brachen und Häuser sind längst verkauft und überteuerte Eigentumswohnungen geworden.

Ein Lebensraum, den sich viele nur noch mit dem Geld ihrer Eltern finanzieren können.
Das ist Realität.

Da hilft es gar nichts sich die 90er Jahre Zweite Hand Klamotte über den Körper zu streifen. 2016 Willkommen auf dem Zenit der Gentrifizierung – Hölle.

Dreißig Jahre Stadtkultur, von den Bewohnern geschaffen, enteignet. Und fast alle schauen dabei zu. Schwimmen mit auf dieser Welle, die die Stadt mit einer zerstörerischen Gewalt überrollt und einem Tsunami gleicht. Auf Kosten derer die diesen einst lebenswerten Ort attraktiv machten, aktiv gestalteten und charakterisierten.

Die Negativspirale rotiert täglich schneller, in Überschallgeschwindigkeit. Kiezleben gibt es fast nicht mehr. Keiner fühlt sich verantwortlich dafür, nicht einmal die Politik.

Früher war alles besser?

Nein, sicher nicht. Doch war Berlin ein Ort der Nischen, Nischen die heute verschwunden sind. Nischen die Möglichkeiten schafften für die Menschen, die sich diese Stadt nicht mehr leisten können. Deren Existenzen zerstört werden. Kleingewerbe ist heutzutage ebenfalls purer Luxus.
Ist diese Stadt überhaupt noch attraktiv?

Für viele, die Berlin einst so facettenreich gestalteten wahrscheinlich nicht.
Doch sind sie hier verwurzelt. Es entsteht ein innerer Konflikt. Eine Zerrissenheit die einen Stück
für Stück zermürbt. Faule Kompromissen werden geschlossen.

Das Geschäft mit der existenziellen Not.
Nur eins scheint in diesen Zeiten noch sicher: Die Situation spitzt sich immer weiter zu.

Jahresende 2016 Frau Vau schreibt

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