Räumung bei HG/M99 aufgeschoben – Sammlung der Presseberichte

Am 4.8. haben wir zur Pressekonferenz in den oberen Stock des Wohnladens von Hans Georg Lindenau „Gemischtwarenladen mit Revolutionsbedarf – M99“ geladen. Es kamen sehr viele Journalist*innen von Berliner und nationalen und sogar internationalen Medien.

Eindrücke von der Pressekonferenz:

Geschehnisse vor und während der PK:

Am Abend vor der Pressekonferenz wurde in aller Eile ein „Räumungsvereinbahrung“ zwischen dem Anwalt Wollmann, des zur Räumung berechtigten Vermieters Hellmann und dem Anwalt Draeger, des von der Räumung betroffenen Mieters Lindemann, ausgehandelt. Gleichzeitig zur Pressekonferenz wurde dann von Anwalt Wollmann bei der Gerichtsvollzieherin den „Räumungstermin aufgehoben“ und die Absage der Räumung wurde der Vertreterin vom „Bündnis Zwangsräumung verhindern!“ dann auch gleich von der Polizei bestätigt.
Die Sprecherin vom „Bündnis Zwangsräumung verhindern!“ sagte daraufhin alle Aktionen zur geplanten Verhinderung der Zwangsräumung ab. Die Kiezdemo am Sonntag, 7.8. (16 Uhr ab Heinrichplatz) findet aber statt.
Bizim Kiez hatte für diesen Fall über Nacht eine Erklärung vorbereitet, mit der die veränderte Lage veröffentlicht wurde.

Pressespiegel:

Gleich am 4.8. sind sehr viele Berichte in den Medienerschienen, zu denen wir hier verlinken (mit Klick auf die Bilder gehts zum Artikel):

In rbb-online

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In Berliner Zeitung

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Im Tagesspiegel

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Bei ZDF heute.de

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In Berliner Zeitung

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In taz – Die Tageszeitung

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In Junge Welt

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In BILD Berlin

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In Neues Deutschland

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In BZ Berlin

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In Die Welt

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In Berliner Morgenpost

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In rbb-online

erschien noch ein Artikel, der eher eine Einschätzung der Unterstützer*innen-Szene im Vergleich zur Rigaerstr. 94 darstellt und als Kommentar des Autors gelesen werden kann:

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2 Gedanken zu „Räumung bei HG/M99 aufgeschoben – Sammlung der Presseberichte

  1. peter nowak

    http://jungle-world.com/artikel/2016/32/54634.html
    Nicht freiwillig

    Der »M99 – Laden für Revolutionsbedarf« sollte diese Woche geräumt werden. Nach einer Vereinbarung mit dem Vermieter wurde der Räumungstitel nicht vollzogen. Es gibt eine Gnadenfrist bis Mitte September.

    von Peter Nowak

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    Für Dienstag war in Berlin-Kreuzberg die Zwangsräumung der Ladenwohnung des auf den Rollstuhl angewiesenen Hans-Georg »HG« Lindenau angekündigt, doch die Räumung fand nicht statt. Wochenlang hatten das Bündnis »Zwangsräumung verhindern« und die Stadtteiliniaitive »Bizim Kiez« zu einer Blockade mobilisiert, um die Räumung des weit über Berlin hinaus bekannten Ladens »für Revolutionsbedarf« zu verhindern. Das M99 ist nicht nur Einkommensquelle, sondern auch Unterkunft seines Betreibers. Mittlerweile ist es selbst in Reiseführern aufgeführt. Der Laden und sein Betreiber stehen wie kaum etwas anderes für das rebellische Kreuzberg der achtziger Jahre. Unterstützung bekam Lindenau aber auch von jüngeren Nachbarn. In Kreuzberg ist die Furcht vor der Verdrängung von Menschen mit geringem Einkommen groß. »Wenn selbst ein so bekannter Laden wie das M99 nicht bleiben kann, droht uns allen die Verdrängung«, sagt eine Nachbarin der Jungle World. Umgekehrt zeige erfolgreicher Widerstand gegen eine geplante Räumung, dass diese Entwicklung verhindert werden kann.
    Nun wurde die für Dienstag anberaumte Räumung kurzfristig ausgesetzt, doch von einem Erfolg kann noch nicht die Rede sein. Nach dem Willen des Hauseigentümers, der den Räumungstitel aufrechterhält, soll Lindenau bis zum 20. September freiwillig ausziehen. »Aufgeschoben ist nicht aufgehoben«, heißt es denn auch in einer Erklärung, die die Stadtteilinitiative »Bizim Kiez« in Zusammenarbeit mit Lindenau verfasst hat. In dem Text wird betont, wie schwer der Druck gewesen sei, der auf Lindenau durch die drohende Räumung lastete. »Er hat seinen Anwalt den Deal in kürzester Zeit aushandeln lassen, mit dem Motiv, die Zwangsräumung über den 9. August hinaus zu verschieben«, heißt es in der Erklärung. Jede weitere Verzögerung der Räumung eröffne neue Möglichkeiten, sie zu verhindern. »So sehen auch wir das, weil wir sechs Wochen mehr Zeit haben, um weiter zu mobilisieren« – für Aktionen und für weitere Verhandlungen.

    Doch bei einem Teil von Lindenaus Unterstützern sorgten die Umstände der Einigung in letzter Minute für Irritationen und Kritik. Schon wenige Stunden nach der Bekanntgabe wurde ihm auf dem Internetportal Indymedia vorgeworfen, einen schlechten Deal mit dem Eigentümer gemacht zu haben. Manche erklärten, sie seien von Lindenau enttäuscht, und drohten, die Solidaritätsarbeit einzustellen.

    Für Davis Schuster ist das unverständlich. »Wir finden, dass Betroffene immer selbst über ihre Räumungsangelegenheiten entscheiden sollten«, sagte das Mitglied des Berliner Bündnisses »Zwangsräumung verhindern« der Jungle World. Schuster betonte, dass weiter die Räumung drohe und Lindenau daher auch in Zukunft Solidarität brauche. Die Aussetzung der Räumung sei auch eine Folge des Drucks von stadtpolitischen Initiativen. Tatsächlich ist es in letzter Zeit nicht nur im Fall von M99 gelungen, in großen Mieterauseinandersetzungen wenigstens Teilerfolge zu erzielen. So war die Wiener Immobiliengesellschaft Citec bereit, mit den Mietern des Haues Friedelstraße 54 in Berlin-Neukölln über einen Verkauf des Gebäudes zu verhandeln, nachdem die Mieter ihren Protest sogar in die österreichische Hauptstadt getragen und das Kaufangebot persönlich überbracht hatten. Doch nach mehrwöchigen Verhandlungen wurden die Hausbewohner per E-Mail darüber informiert, dass nicht sie, sondern eine andere Immobilienfirma den Zuschlag bekommen hätten. Beim ehemals besetzten Haus Rigaer Straße 94 brachte eine Gerichtsentscheidung, die die mit einem großen Polizeiaufgebot durchgesetzte Teilräumung für rechtswidrig erklärte, zumindest kurzfristig Entspannung. Da aber neben den Mieterprotesten weitere starke soziale Bewegungen fehlen, sind bisher immer nur temporäre Erfolge erreicht worden.

    Lindenau sieht für seinen Laden M99 zwei mögliche Szenarien, wie er der Jungle World sagte. »Entweder jemand ermöglicht mir, dass ich in einem anderen Laden den Verkauf fortsetzen kann. Dann würde ich das M99 verlassen.« Doch das sei unwahrscheinlich. Wenn er keinen gleichwertigen Ersatz in Kreuzberg finde, werde er den Laden »am 20. September nicht freiwillig verlassen«. Dann könnte der Räumungscountdown von Neuem beginnen.