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Benefizkonzert am Sonnabend, 16. September, ab 20 Uhr in der Heilig-Kreuz-Kirche

16. September 2017 @ 20:00

Die Stimmen erfüllen den Musikraum, am Piano die amerikanische Jazz- und Opernsängerin Jocelyn B. Smith, Wahlberlinerin von Herzen. Umringt wird sie von Mitgliedern ihres integrativen Chores „The Different Voices of Berlin“, und alle üben leidenschaftlich die Zeilen des extra gedichteten Songs „Wenn du wegschaust“. Das nicht zu tun, darum geht es beim Benefizkonzert am Sonnabend, 16. September, ab 20 Uhr in der Heilig-Kreuz-Kirche an der Zossener Straße 65 in Kreuzberg. Die gesellschaftlich in vielerlei Hinsicht engagierte Musikerin lädt alle, die ihre Stimme auch durch eigene Beiträge erheben möchten, zum „Open Mike“, zum Mitsingen und Mitargumentieren gegen Wohnungsnot und Mietpreissteigerung in Berlin.

Gerade erst hat eine offizielle Erhebung des Senats bestätigt, was etliche der Chorsängerinnen und Sänger aus eigener Erfahrung wissen: Bezahlbare Wohnungen sind in Berlin kaum noch zu bekommen. Es fehlen Zehntausende Wohnungen für Normalverdiener. Mit Luxusneubauten, die überall in der Stadt neu entstehen, können sich zwar womöglich Investoren und Bezirke profilieren und Spekulanten aus dem Ausland günstig einkaufen, vielen Bürginnen und Bürgern aber schadet diese Entwicklung, darauf möchte Jocelyn B. Smith – genau jetzt, vor der Bundestagswahl -, hinweisen. Zu ihrem Chor gehören Menschen, die noch in den 1980er Jahren miterlebten, dass dank der Hausbesetzerszene bewusst nicht vermietete Altbauten, etwa in Kreuzberg, erhalten wurden. Und die jetzt miterleben, wie Investoren, zum Beispiel aus Dänemark, für viel Geld Eigentum in jenen Häusern erwerben. Die Mieten steigen, Alteingesessene müssen ihren Kiez verlassen.

Einer der Sänger lebte selbst einmal auf der Straße, hatte den typischen Lebensweg vom bürgerlichen Dasein zur Obdachlosigkeit hinter sich. Und kritisiert heute, wie viele andere der engagierten Sänger, die Wohnungsmisere in Berlin als Versagen der Politik, die nicht langfristig denke, sondern in Wahlperioden. Diese Politiker würden eben nicht – wie eine Sängerin im Chor – eine ältere Dame im Hausflur miterleben, wie sie dasteht, verzweifelt, mit einem mehrseitigen Schreiben der Hausverwaltung zur Mieterhöhung in der Hand, von dem sie nur einen Bruchteil versteht. Menschen wie ihr widmet Jocelyn B. Smith ihr Benefizkonzert. Es soll inspirieren, Mut machen und Betroffenen eine Stimme geben. Es gibt bekannte Lieder und neue, alle sollen zum Mitsingen einladen. Und es gibt auch was zu essen. Geprobt wurde in der „Gitschiner 15“, für das rein spendenfinanzierte Kultur- und Sozialzentrum im Projektverbund der Evangelischen Kirchengemeinde Heilig-Kreuz-Passion wird um Geld gebeten. Dort können Menschen, die auf der Straße leben oder wenig Geld haben in einer Werkstatt ihre Fahrräder selbst reparieren oder in einem Kunstatelier zeichnen und malen. Geflüchtete werden hier betreut, es gibt Rückzugsräume und ein Café. Der Tagesspiegel half mit seinem Spendenverein, der gleichnamigen Weihnachtsaktion „Menschen helfen!“ und weiteren Spenden seiner Leserinnen und Leser schon mehrfach dabei, den Betrieb aufrechtzuerhalten, beispielsweise mit Geld für die Heizungsanlage. Gerade braucht die „Gitschiner 15“ Geld fürs undichte Dach.

Und wie da im Musikraum alle aus voller Kehle singen und strahlen und hinterher davon erzählen, wie sich jeder einbringt und neue Kraft auch durch den Glauben schöpft – da wird der Chor selbst zu einem Haus der Hoffnung, mitten in Berlin.

Details

Datum:
16. September 2017
Zeit:
20:00
Veranstaltungkategorie:

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