Offener Brief der Mieter*innen aus der Zossener Str. 18

Zweitveröffentlichung für die Mieter*innen des Hauses:

Sehr geehrte Frau Senatorin Lompscher,
Sehr geehrter Herr Senator Kollatz-Ahnen,

wir sind eine heterogene Mietergemeinschaft aus dem Bergmannkiez in Kreuzberg, deren Haus von der gleichen luxemburgischen Briefkastenfirma gekauft wurde, wie die Falckensteinstr. 33. In unserem Haus gibt es 17 Wohnungen und 3 Gewerbeeinheiten. Einige von uns wohnen hier seit über 30 Jahren. Wir alle wollen gern bleiben. Sollte das Haus dem Investor zufallen, drohen uns Luxussanierung, exorbitant steigende Mieten oder sogar noch schlimmer die Aufteilung in Eigentumswohnungen. Das würde bedeuten, dass wir uns diese Wohnungen nicht mehr leisten können! An unserem Haus zeigt sich beispielhaft die derzeit um sich greifende Verdrängung. Was hier stattfindet, ist der Ausverkauf einer lebendigen, über Jahre gewachsenen Kultur. Es steht mehr auf dem Spiel als ein paar Häuser!

Noch sind unsere Mieten sozial verträglich, so dass unser Haus derzeit noch „buntgemischt” ist, man könnte sagen, „typisch Kreuzberg“: Hier leben Singles, WGs und Familien, Menschen verschiedenster Berufs- und Altersgruppen zusammen. Die jüngste Bewohnerin ist drei, der älteste im Rentenalter. Wir mögen unseren Kiez sehr, wir leben und arbeiten hier; die Kinder aus unserem Haus gehen um die Ecke in die Kita und bald in die Schule. Bisher sind wir von Luxussanierungen verschont geblieben. Bisher. Wir haben das Glück, dass es mit dem Vorkaufsrecht ein wirksames Instrument gibt, das dazu beiträgt, die zunehmende Verdrängung von Mieter*innen aus ihren ursprünglichen Kiezen einzudämmen. Sie wissen selbst, wie wichtig dieses Instrument in Berlin gerade ist und welch entscheidende Rolle den landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften hierbei zukommt.

Seit dem 07.06.2017 prüft der Bezirk, ob er das Vorkaufsrecht für unser Haus geltend machen will. Hierzu verhandelt er mit der WBM, die als landeseigene Wohnungsbaugesellschaft unser Haus übernehmen könnte. In den letzten Wochen standen wir im regen Austausch mit dem Stadtrat Herrn Schmidt und den Mietern anderer vom Verkauf betroffener Häuser. Sie können sich vorstellen, wie beeindruckt wir sind von der Solidarität, der Hilfsbereitschaft und dem Engagement, dass uns in den vielen Gesprächen entgegen gebracht wurde. Wir sind sehr froh, dass bereits sechs Häuser durch das Vorkaufsrecht dem Spekulationsmarkt entzogen werden konnten. In knapp einer Woche läuft nun auch unsere Frist und das Recht zum Vorkauf ab. Am 7.8. wird in der entscheidenden Sitzung über das Vorkaufsrecht für unser Haus verhandelt.
Berlin braucht ganz bestimmt nicht noch mehr Luxusappartments. Es braucht mehr Platz zum Leben und ein weiteres Zeichen Ihrerseits, dass dem Spekulationsmarkt sehr wohl etwas entgegen gesetzt werden kann. Wir möchten Sie daher dringend bitten, auch in unserem Fall vom Vorkaufsrecht Gebrauch zu machen und unser Haus dem Spekulationsmarkt zu entziehen und damit langfristig weiteren bezahlbaren Wohnraum zu sichern! Wir bitten Sie konkret darum, der WBM einen Vorkauf zu ermöglichen, auch wenn dies möglicherweise bedeutet, dass Ihrerseits die Renditeerwartungen der WBM bei einer Übernahme des Hauses reduziert werden müssten. Politisch wäre es allemal eine Entscheidung, die sich lohnt!

Wir möchten hier bleiben und uns die Miete für unser Zuhause leisten können.

Mit herzlichen Grüßen, die Mieter*innen aus der Zossener Str. 18

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