Lausitzer Platz 17 – Freundliche Mieter/innen bieten sich mit Haus zum Verkauf

In unserem Kiez passieren merkwürdige Dinge. Am Lausitzer Platz sollte eine Haus entmietet und Luxus-saniert werden, doch der Plan des Investors ging nicht auf. Die gut organisierten Mieter/innen haben sich – wie es im Moment aussieht – erfolgreich verteidigt und jetzt suchen sie einen Eigentümer, der mit ihnen ein gemeinschaftliches Modell anstrebt.

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Hier der Text der Gemeinschaft der Mieter:


Zur Situation des Hauses Lausitzer Platz 17

Die Mieter leben zwischen 10 und 33 Jahren im Haus Lausitzer Platz17, 10997 Berlin-Kreuzberg, im Milieuschutzgebiet „südliche Friedrichstadt“. Es handelt sich um ein Miethaus mit 10 Wohnungen, das um 1900 erbaut wurde. Es ist in einem technisch zeitgemäßen Zustand. Das Haus befand sich im Besitz der Familie Bels.

Anfang 2014 übernahm als neue Eigentümerin die Lausitzer Platz GmbH, Zelia real estate GmbH &Co. KG, Breite 1, 15806 Zossen, mit deren Geschäftsführer Goran Nenadic, das Haus. Die Hausverwaltung ist seitdem in den Händen der WGW, Werz, Goldmann und Werz, Hausverwaltung GmbH.

Bereits im Mai 2014 erreichte uns im Auftrage der Eigentümerin ein Schreiben von der AMB- Agentur für Mieter und Bauherren, in dem die Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen angekündigt wurde. Auch ein Dachausbau mit dazugehörigem Aufzug sei geplant.

In diesem Zusammenhang wurde uns Mietern die Möglichkeit zum Kauf der Wohnung gegeben (Mietervorkaufsrecht). Niemand wollte bzw. konnte kaufen.

Gleichzeitig wurden uns Ablöseangebote inklusive einer Mietauflösungsvereinbarung unterbreitet. Offensichtlich war es der Eigentümerin wichtig, das Haus bald Mieterfrei zur Verfügung zu haben.

Diese Vorgänge setzten einen Mieter dermaßen unter Druck, dass er auszog. Seither steht die Wohnung leer und wurde entkernt.

Im Mai 2015 erhielten alle Mieter eine Modernisierungsankündigung. Laut den Kosten, die in der Modernisierungsankündigung angeführt wurde, müssten alle Mietparteien damit rechnen, nach Beendigung der Arbeiten eine 3-fach höhere Nettokaltmiete bzw. mehr als die doppelte Warmmiete zu bezahlen.

In Sorge um diese finanzielle Perspektive zog eine weitere Mietpartei aus. Diese Wohnung steht seitdem ebenfalls leer.

Alle anderen Mieter wollen im Haus und im Kiez leben bleiben.

Da eine derartige Mieterhöhung für alle eine besondere Härte darstellen würde, sandten wir der Eigentümerin eine Härteerklärung und die Nichtduldung der Modernisierungsmaßnahmen zu, mit dem Zusatz, dass sozialverträgliche Maßnahmen verhandelbar seien. Auf unsere Schreiben gab es keinerlei Reaktion.

Der für Mitte August anberaumte Baubeginn fand nicht statt.

Nach unserem Wissen wird das Haus seitdem für 1.6 Millionen Euro komplett zum Kauf angeboten.

Wegen des Milieuschutzes und dem daraus folgenden Vorkaufsrecht des Senates nahmen wir Kontakt mit dem Bezirksamt Kreuzberg (Abteilung Planen, Bauen und Umwelt, Stadtentwicklung-Stadterneuerung) auf.

Der Dachgeschossausbau wurde aus städtebaulichen Gründen versagt.

Die Eigentümerin kommuniziert in keiner Form mit uns. Ein Versuch unsererseits einen „guten“ Käufer zu finden, der nicht nur von Verwertungsinteressen geleitet wird, scheiterte bisher am hohen Kaufpreis. So besteht unter den Mietern weiterhin die Furcht vor einer Vertreibung und davor, dass mit einem neuen Eigentümer das Spiel von neuem beginnen könnte.

Die Gemeinschaft der Mieter vom Lausitzer Platz 17, 10997 Berlin.


So preisen die Mieter/innen nun sich und ihr Haus an. Wer es also gut mit den Mieter/innen meint, der möge Investieren – in Menschen und das Haus drumrum.

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Werbeblatt für das Haus Lausitzer Platz 17 herunterladen


Die beteiligte Hausverwaltung ist in unserem Kiez bereits als typische Verdränger-Firmen bekannt.

Die WGW – Werz Goldmann & Werz Immobilien GmbH ist genau die Immobilienverwaltung, die auch beim Gemüseladen „Bizim Bakkal“ im Haus in der Wrangelstraße 77 versuchen, das Haus im Interesse des Investors zu entmieten. Diese Firma wird bewusst genau zum Zwecke der profitorientierten Verwertung von Mietshäusern eingesetzt. Anscheinend hat in diesem Fall beim Haus am Lausitzer Platz 17 aber inzwischen der Eigentümer die Nerven verloren.

Wir werten das mal als positives Zeichen.

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