„Habe eine Schaufel geschenkt bekommen um mir mein Grab selber zu graben“

Hallo Recherchegruppe,

Ich war gestern mal wieder bei der Demo.
Und erst heute Früh wurde mir klar, wie tief ich mit drinnenstecke.

Epilog: (Kurze Zusammenfassung) Ich habe einen kleinen Werkstatt / Laden in Neukölln. Gewerbemieter, zusammen mit 3 anderen Kreativen als Gemeinschaftsatelier. Mit unserer Aktivität inkl. Schaufenster (wir machen Taschen, Lampen, Schmuck und Bühnenbilder werten wir schon jetzt indirekt unseren Kiez auf. Genau vor einem Jahr waren wir in der gleichen Situation wie Herr Çaliskan. Uns wurde von heute auf Morgen gekündigt. 3monatig. Zum Glück hatten wir Hilfe, haben all unseren Mut zusammengenommen und haben mit der Immobilienfirma (groß!) ausgehandelt, dass wir die doppelte Miete zahlen „dürfen“ und dafür bleiben. Jetzt haben wir einen 1Jahresvertrag, der jeweils verlängert wird, wenn wir Glück haben.

Noch ist die Miete mit unseren sehr kleinen kreativen Aktivitäten grad so aufzubringen, aber eine noch höhere Miete würde uns allen das Genick brechen.
Zurück zur Schaufel und dem Grab.

Wir sind die „Künstler und Kreativen“ die Neukölln (= das ach so lebendige Berlin) so attraktiv machen. Und genau das soll ich nun, siehe unten, vor laufender Kamera zum Besten geben, damit mehr Investoren, Käufer und besserverdienende Mieter angelockt werden??? Damit wir dann nächstes Jahr schon wieder die Kündigung im Briefkasten haben?? Damit sie unseren Laden, husch, ein bisschen aufhübschen und fürs 3fache an noch irgendein Latte macchiato Café, Burgerladen,… vermieten? Ich weiß, unsere handgemachten Produkte sind auch schon keine „Produkte des täglichen Bedarfs“, aber wir brauchen nun einmal eine Werkstatt und eine direkte Vertriebsmöglichkeit.

NEIN! Ich werde meine Seele nicht verkaufen und mir eine Schaufel schenken lassen mit der ich schonmal anfangen kann mein eigenes Grab auszuheben. NOT IN MY NAME!

Schöne Grüße aus Neukölln und bis nächsten Mittwoch, B.

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El Miércoles 24 de junio de 2015

„Liebe B…..
ich arbeite für xyz Media in Berlin-Kreuzberg. Für die Webseite von Immobilienscout 24 (http://www.immobilienscout24.de) produzieren wir derzeit Stadtteilportraits (Video und Text) für verschiedene Städte, u.a. für Berlin-Neukölln. Wir sind auf der Suche nach Personen, die in Neukölln leben und/oder arbeiten und uns im Rahmen eines Videoportraits folgende Fragen beantworten:

Wie lebt es sich in Neukölln? Was ist hier charakteristisch, besonders, unterscheidet sich von anderen Berliner Stadtteilen?

Ihr Laden ist mir von einer Kollegin empfohlen worden. Könnten Sie sich vorstellen, dass wir bei Ihnen vorbeikommen und Sie uns für das Videoportrait die Fragen zu Neukölln beantworten? Der Dreh würde insgesamt nur zehn Minuten dauern, wir richten uns auch gerne nach Ihnen, was den Termin angeht. Video und Text erscheinen dann auf der Immoscout-Website. Was meinen Sie?

Vielen Dank im Voraus und beste Grüße“

[Mit freundl. Genehmigung der Einsenderin, 7.7.2015]

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