Bizim Kiez Versammlung am 1. Juli: „Forum der Betroffenen“ und „Soli-Lesung“

Der Fall „Bizim Bakkal“ hat uns als Nachbarschaft vereint

Wir, die Nachbarschaft im Wrangelkiez und alle, die sich mit uns solidarisieren, treffen uns nun schon zum sechsten Mal auf der Straße. Wir lernen uns im Kieztreffen immer besser kennen und wir erkennen mehr denn je, welche Qualität – im Sinne von zugewandter Menschlichkeit – hier zusammenkommt. Wir spüren den Wert unseres lebendigen Stadtteils in bunter Mischung, als heterogene Gruppe von Menschen, die offen zueinander sind, sich gegenseitig anerkennen und in Kooperation als „Bizim Kiez“ viel erreichen können.

Bizim Kiez wirkt bereits

Weil die Nachbarschaft sich laut zu Wort meldet, hat die Bezirksverordnetenversammlung bereits den Milieuschutz verschärft und das Bezirksamt aufgefordert, sich unmissverständlich an den Hausbesitzer zu wenden, um die Rücknahme der Kündigung von Bizim Bakkal zu fordern. Die drei Bundestagsabgeordneten aus Friedrichshain-Kreuzberg wandten sich an den Hausbesitzer mit einer entsprechenden gemeinsamen Bitte. Direkte Verhandlungsgespräche zwischen Hausbesitzer und Ahmet Calışkan sind anberaumt. Daran sehen wir, dass es nicht sinnlos ist den Protest zu organisieren. Seit der Wrangelkiez über den Fall „Bizim Bakkal“ Druck macht und mit der „Karte der Verdrängung“ weitere Fälle aufzeigt, wird deutlich, dass die Verdrängungspraxis gestoppt werden muss. Dagegen stehen wir gemeinsam und werden gehört.

Kommt alle zur Bizim Kiez Versammlung
am Mittwoch, dem 1. Juli um 19:00 Uhr auf der Wrangel­straße: Info-Veranstaltung, Forum der Betroffenen und Soli-Lesung

vor Bizim Bakkal, Wrangelstraße 77

Bizim Kiez Versammlung 5 vom 24. Juni – Präsentation der analogen Form der "Karte der Verdrängung"

Bizim Kiez Versammlung 5 vom 24. Juni – Präsentation der analogen Form der „Karte der Verdrängung“

Fotos der Veranstaltung ansehen

19:00 Uhr — Info-Veranstaltung und Forum der Betroffenen

Wir informieren über den Stand der Verhandlungen und die Entwicklung der Kampagne.
Über die Karte der Verdrängung in SO36 werden viele weitere Fälle im Kiez bekannt. Betroffene aus anderen Häusern sprechen über ihre Verdrängungserfahrungen. Dies machen wir mit dem Ziel, die Kraft der „Bizim-Kiez-Solidarität” zum Schutz des ganzen Kiezes zu mobilisieren.
> Wir laden alle ein, sich zu beteiligen! Bitte meldet euch schon vorher per E-Mail, damit wir das Forum der Betroffenen ein bisschen planen können.

Eigene Beteiligung als Betroffene/r anmelden

20:00 Uhr — Soli-Lesung mit musikalischer Begleitung durch Wortfront

Berliner Autorinnen und Autoren solidarisieren sich mit unserer Nachbarschaft und wollen die Ziele von Bizim Kiez unterstützen: Svenja LeiberUlla LenzeAnnika Reich, Nina Bußmann David WagnerJan Brandt und Annett Gröschner lesen thematisch bezogene eigene Texte, große Gemüseladenzitate, die Geschichte der eigenen Entmietung und vieles mehr.

Dazu Musik von Wortfront – Sandra Kreisler und Roger Stein.

Ulla Lenze, deren neuer hochgelobter Roman Die endlose Stadt, unter anderem in Istanbul, Berlin und Mumbai spielt, eine Liebesgeschichte, und auch ein Buch über unsere globalisierte Welt. Ulla Lenze wird aus diesem Roman lesen, eine Geschichte über Liebe und Gentrifizierung in Istanbul.

Jan Brandt stand mit seinem Roman Gegen die Welt auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis und hat gerade Tod in Turin veröffentlicht, ein wunderbares Buch über den Literaturbetrieb, Deutschland, Italien und das Elend des Schriftstellerdaseins – er wird einen kurzen Text über die Veränderungen in Berlin lesen.

Svenja Leiber hat in ihrem jüngsten Roman Das letzte Land eine wunderbare Geschichte über Menschen und ihre unvermeidlichen Verstrickungen in die Geschichte vorgelegt, der, wie immer bei ihr, unglaublich fein und poetisch geschrieben ist. Sie möchte große Gemüseladenzitate sammeln und vortragen.

Annika Reiche, deren Roman Die Nächte an ihrer Seite gerade in allen Buchhandlungen liegt und in aller Munde ist. Sie liest, und wir lassen uns überraschen, was.

David Wagner hat 2013 für das Buch Leben den Preis der Leipziger Buchmesse erhalten. In seinen Büchern Mauer Park und Welche Farbe hat Berlin spaziert er durch die Straßen unserer Stadt und erzählt, was er dort vorfindet. Wenn man nicht schon hier wohnen würde, würde man glatt umziehen wollen.

Annett Gröschner ist Journalistin und Schriftstellerin. Ihre Bücher und Projekte handeln immer wieder auch von der Geschichte Berlins, wie zum Beispiel das von ihr mit herausgegebene Backfisch im Bombenkrieg, in welchem ein junges Mädchen die Ereignisse der letzten Kriegsjahre festhält, um Stenografie zu üben, nie mit der Absicht, tatsächlich die Ereignisse festzuhalten. Gerade das macht ihre Lektüre so faszinierend. Annett Gröschner wird mit uns die Geschichte ihrer eigenen Entmietung teilen.

Nina Bußmann hat in ihrem Roman Große Ferien die Beziehung zwischen einem Lehrer und einem Schüler großartig beschrieben. Sie hat damit 2011 im Rahmen der Bachmannpreisverleihung den 3sat Preis gewonnen. Auch sie wird einen noch offenen Text beitragen.

Mehr zur Soli-Lesung als Facebook-Event

 


 

Die offenen Arbeitsgruppen treffen sich anschließend und alle sind eingeladen daran teilzunehmen. Eigeninitiativen werden von uns sehr begrüßt. Organisatorische Details bitten wir mit uns abzustimmen.

 

 


 Für die vielen Fotografierenden:

Wir würden uns freuen, wenn Ihr zu Euren Fotos Flickr-Alben erstellt und uns diese zusendet, damit wir Eure Fotos verwenden und auf unserer Website einspeisen können.

 


 

 

WIR SIND DIESE STRASSE.

Viele liebe Grüße,
Bizim Kiez

 

Ein Gedanke zu „Bizim Kiez Versammlung am 1. Juli: „Forum der Betroffenen“ und „Soli-Lesung“

  1. Arno

    Dazu bei uns (melden@bizim-kiez.de)
    heute eingegangen:

    Der Brief eines Mitmenschen an einen Investor

    „Sehr geehrte Damen und Herren,

    ich möchte nicht von ‚Kämpfen‘, ‚Gewinnen‘, oder ‚Verlieren‘ sprechen und auch nicht davon irgendeine Veränderung aufzuhalten. Wir alle leben in einer Stadt und Gesellschaft, die sich ständig verändert und das ist auch gut so.

    Die Frage die ich stellen möchte ist, welche Art der Veränderung wir wollen und wie wir in Zukunft zusammen leben wollen?

    Da wir Menschen täglich mit unseren Entscheidungen die Welt in der wir leben beeinflussen, möchte ich eine Frage an Sie stellen. Ich stelle meine Frage also nicht an eine Firma, sondern an Sie als Mensch:
    Entscheidungen verändern etwas. Nicht nur in diesem Kiez, nicht nur in dieser Straße, sondern in diesem Land, in dieser Gesellschaft. Natürlich kann man durch Neuvermietung etwas mehr Geld verdienen – und Geld ist auch wichtig – auch wichtig um Familie Çalişkan zu ernähren und am Leben teilhaben zu lassen.

    Es ist nicht das Geld das etwas verändert, sondern unsere Entscheidungen. Was bedeutet es also wenn Menschen entscheiden, anderen Menschen die Lebensgrundlage zu kündigen? Wenn Entscheidungen dazu führen, dass jede und jeder nur noch für sich sorgt und die eigene Bilanz wahrnimmt? Dann verändert sich etwas in der Gesellschaft. Es entwickelt sich in eine Richtung. Das Zusammenleben wird von mehr Konkurrenz geprägt sein, kurzfristige Gewinne werden wichtiger. Empathie und die langfristige Zukunft werden dagegen unwichtiger. Das kann man als den natürlichen Lauf der Dinge betrachten. Uns Menschen zeichnet allerdings doch das Vermögen zu Empathie aus. Wir haben die Fähigkeit an die Zukunft zu denken und diese auch zu gestalten.

    Zu welcher Zukunft wird ihre Entscheidung beitragen? Eine Zukunft in Richtung eines gesellschaftlichen und friedlichen Miteinanders zwischen Menschen unterschiedlicher kultureller und sozialer Herkunft? Oder eher in Richtung Abgrenzung und ein Manifestieren der Ungleichgewichte in unserer Gesellschaft? Eher in Richtung ‚Straßenfest‘ oder Richtung ‚Gated Community‘?

    In welcher Zukunft möchten sie ihre oder andere Kinder aufwachsen sehen? In welchem Kiez würden sie selbst lieber wohnen? In welcher Zukunft müssen wohlhabende Menschen mehr Angst haben?
    Natürlich lässt sich das nicht direkt in Euros ausdrücken und gleichzeitig ist es diese Lebensqualität die viele Menschen suchen – wahrscheinlich auch ihre Kunden. Spätestens jetzt verschwimmen die Kategorien ‚Gewinnen‘ und ‚Verlieren‘ – denn diese Lebensqualität wird sich verändern. Die Konsequenz ihrer Entscheidung als Mensch wird bleiben und unsere gemeinsame Zukunft gestalten.
    Ich verstehe ihr Bedürfnis nach ökonomischer Sicherheit, es ist wahrscheinlich dem Bedürfnis von Familie Çalişkan sehr ähnlich. Gerade deshalb könnte doch ein Gespräch möglich sein.
    Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei der Gestaltung der Zukunft.

    Herzlich,
    ein Mitmensch

    Antworten

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